Ahmedabad: Pols, Sabarmati Ashram, Adalaj und Reisezeit

Ahmedabad: Pols, Sabarmati Ashram, Adalaj und Reisezeit

Ahmedabad in Gujarat ist Indiens erste UNESCO-Welterbestadt und verbindet eine Altstadt aus Pols, Moscheen und Jain-Tempeln mit dem Sabarmati Ashram, in dem Mahatma Gandhi ab 1917 lebte. Sultan Ahmed Shah gründete die Stadt 1411. Hinzu kommen der Stufenbrunnen von Adalaj, eine eigene Küche und Märkte voller Textilien. Das Flugziel ist der Flughafen Ahmedabad (AMD).

Ahmedabad wird oft nur als Durchgangsstation auf dem Weg zur Rann von Kutch oder zu den Gir-Löwen wahrgenommen, dabei lohnt die Stadt mehrere Tage. Sie liegt am Fluss Sabarmati und wird von ihm geteilt: Auf dem Ostufer drängt sich die ummauerte Altstadt mit ihren Wohnquartieren, den Pols, auf dem Westufer liegen Universitäten, Büros und moderne Viertel. Zwischen beiden steht die Geschichte eines Sultanats, einer Textilmetropole und des gewaltlosen Widerstands unter Gandhi. Dieser Ratgeber erklärt die Stadtgeschichte von der Gründung 1411 bis zur Hauptstadt Gujarats, führt durch Pols, Moscheen und Tempel, zeigt, was du im Sabarmati Ashram und im Gandhi-Museum siehst, beschreibt den Stufenbrunnen von Adalaj und liefert Hinweise zu Essen, Märkten, Festen, Parks und Ausflügen. Ahmedabad liegt im Bundesstaat Gujarat und lässt sich gut mit der Tierwelt des Gir-Nationalparks oder mit Mumbai verbinden.

LageAm Fluss Sabarmati, Bundesstaat Gujarat
Gründung1411 durch Sultan Ahmed Shah auf dem Ostufer des Flusses
StatusIndiens erste UNESCO-Welterbestadt
AltstadtUmmauerte Stadt mit Pols, Vogelfütterungstürmen und dem Bhadra-Fort
GandhiSabarmati Ashram seit 1917, Gandhi-Gedenkmuseum seit 1963
StufenbrunnenAdalaj, fünf Ebenen, Ende des 15. Jahrhunderts begonnen
KücheGujarati-Thali, Dhokla, Thepla, Undhiyu, Khakhra
Flughafen und BahnhofAhmedabad (AMD), Bahnhof Ahmedabad Junction (ADI)

Wie ist die Geschichte von Ahmedabad?

Schon im 11. Jahrhundert gründete König Karandev I. aus der Dynastie der Solanki am Sabarmati die Siedlung Karnavati. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts eroberte das Sultanat von Delhi Gujarat. Die heutige Stadt geht auf das Jahr 1411 zurück, als Sultan Ahmed Shah sie auf einer Ebene östlich des Flusses gründete und das Bhadra-Fort errichten ließ. Die Stadt trägt seinen Namen. Unter Ahmed Shah verschmolz hinduistisches Handwerk mit persischer Baukunst zu dem Mischstil, der als Indo-Sarazenisch bezeichnet wird.

1487 ließ Mahmud Begada, ein Enkel Ahmed Shahs, die Stadt befestigen. Die äußere Mauer war rund zehn Kilometer lang, hatte zwölf Tore, 189 Bastionen und mehr als 6.000 Zinnen. Angelegt war die Stadt nach dem Muster altindischer Königsstädte mit Hauptstraßen, Durchgangsstraßen und Seitengassen. 1818 übernahm die Ostindien-Kompanie die Herrschaft, später richteten die Briten ein Militärlager im Rahmen der Präsidentschaft Bombay ein. Die Textilindustrie machte Ahmedabad so bedeutend, dass die Stadt als „Manchester des Ostens“ bekannt wurde.

Für die indische Geschichte entscheidend wurden die Jahre 1915 bis 1930: 1915 gründete Mahatma Gandhi das Kochrab-Ashram, 1917 den Sabarmati Ashram, und 1930 begann hier der Salzmarsch nach Dandi gegen das britische Salzgesetz. Mehr zu diesem Abschnitt steht auf der Seite Unabhängigkeit Indiens. 1960 wurde Gujarat ein eigener Bundesstaat, und Ahmedabad wurde sein politisches und wirtschaftliches Zentrum. In den letzten Jahrzehnten wuchs die Stadt mit Hochhäusern, Einkaufszentren und Multiplex-Kinos.

Was sind die Pols der Altstadt?

Die Pols sind traditionelle Wohnquartiere der ummauerten Altstadt, in denen Gemeinschaften dicht beieinander leben. Das Wort bezeichnet ein abgeschlossenes Viertel mit eigenen Toren, schmalen, gewundenen Gassen, Innenhöfen und gemeinsamen Plätzen. Die UNESCO beschreibt diese Bauweise als einfallsreichen Lebensraum, der das lokale Wissen und die Bindungen innerhalb der Gemeinschaft widerspiegelt. Mit der Aufnahme der Altstadt in die Welterbeliste wurde Ahmedabad zur ersten Welterbestadt Indiens. Wer die Pols besucht, geht durch ruhige Gassen, in denen Häuser mit geschnitzten Holzfassaden stehen; die Bewohner leben dort weiter, deshalb gilt wie überall: leise sein und keine Haustüren fotografieren.

Zum Bild der Altstadt gehören die Chabutros, kleine Türme zum Füttern von Vögeln. Die Stadt hat mehr als hundert davon. Weitere Besuchsziele sind das Drachenmuseum (Kite Museum), die Jhulta Minar (die „schwankenden Minarette“) und das Adivasi-Museum, das die Kultur der Stammesgruppen Gujarats zeigt. Das Bhadra-Fort, das Ahmed Shah 1411 gründen ließ, bildet den Kern des historischen Zentrums. Einen Überblick zur Baukunst des Landes bietet die Seite Architektur in Indien.

Was zeigt der Sabarmati Ashram?

Der Sabarmati Ashram liegt auf 36 Acres am Ufer des Flusses und wurde 1917 gegründet. Mahatma Gandhi, den die Menschen liebevoll Bapu nennen, lebte und arbeitete hier und machte den Ort zum Zentrum seiner gewaltlosen Bewegung gegen die britische Herrschaft. Spinnrad (Charkha) und Gebet prägten den Alltag; Gandhi und seine Gefährten erprobten hier Khadi-Herstellung und Landwirtschaft, um Selbstversorgung vorzuleben. Der Ort vermittelt Gandhis Gedankenwelt und den Weg zur Unabhängigkeit.

Auf dem Gelände stehen mehrere erhaltene Gebäude. Hriday Kunj war Gandhis Wohnhaus, einfach eingerichtet, mit kahlen Wänden in jedem Raum, auch im Schlafzimmer seiner Frau und in der Küche; in seinem Arbeitsraum standen ein Schreibtisch, Matten auf dem Boden und sein Spinnrad. Hier trafen sich indische und britische Politiker, um über den Freiheitskampf zu sprechen. Magan Niwas gehörte Maganlal Gandhi, einem Neffen, der für seine Entwürfe von Spinnrädern bekannt war. Im Vinoba Mira Kutir lebten Vinoba Bhave und Mira Behn, eine von Gandhis Ideen inspirierte Britin. Das Gästehaus Nandini beherbergte unter anderem Rabindranath Tagore und Jawaharlal Nehru. Im Udyog Mandir, dem „Tempel der Arbeit“, wurde Khadi hergestellt, die Somnath Chhatralaya diente als großer Schlafsaal, und die Upasana Mandir ist die Gebetshalle.

Das Gandhi-Gedenkmuseum wurde 1963 eröffnet; der Architekt war Charles Correa. Es hat drei Galerien: Die Galerie „Gandhi in Ahmedabad“ erzählt mit 50 handgezeichneten Tafeln im Frage-und-Antwort-Format die Ereignisse von 1915 bis 1930, darunter das Kochrab-Ashram, einen Streik der Mühlenarbeiter und den Salzmarsch. „My Life is My Message“ zeigt mehr als 250 Fotografien in sieben Abschnitten von Gandhis Kindheit in Porbandar bis zu seiner Ermordung 1948. In der Gemäldegalerie hängen acht Porträts der Künstler Chandulal Shah und Hiralal Khatri aus den 1960er Jahren, dazu ein Bildnis aus Erdnussschalen. Eine Bibliothek mit Büchern zu Gandhi, Geschichte und sozialer Reform ergänzt die Sammlung; im Verkaufsraum findest du Bücher, Khadi-Kleidung und Produkte der ländlichen Industrie.

Wann reist du am besten nach Ahmedabad und wie kommst du hin?

Am angenehmsten sind die kühlen Monate von November bis Februar. Im Januar liegen die Temperaturen im Mittel zwischen etwa 3 und 24 °C, im Dezember zwischen 5 und 26 °C. Von April bis Juni steigen die Höchstwerte auf über 38 °C, im Mai auf 42,6 °C und im Juni auf 43,4 °C; die Monate Juli bis September bringen Monsun mit Höchstwerten um 35 bis 39 °C. Für Stadtspaziergänge, Märkte und den Stufenbrunnen ist die Zeit von Oktober bis März ideal. Allgemeine Hinweise zur Jahreszeit stehen auf der Seite Beste Reisezeit für Indien.

Der Flughafen Sardar Vallabhbhai Patel (AMD) ist ein internationaler Flughafen, der Bahnhof heißt Ahmedabad Junction (ADI). Innerhalb der Stadt nutzt du Rikschas, Taxis oder den Fahrer deines Reiseveranstalters; die Seite Fortbewegung in Indien erklärt die Möglichkeiten. Die Altstadt erkundest du am besten zu Fuß, für den Ashram, die Riverfront und den Stufenbrunnen von Adalaj brauchst du ein Fahrzeug.

Moscheen und Tempel der Altstadt

Die Jama Masjid stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert und ist eine der geschichtsträchtigsten Moscheen der Stadt. Die Sidi-Saiyyed-Moschee wurde 1573 gebaut und ist für ihre Steinfenster mit durchbrochenem Rankenwerk berühmt, vor allem das Fenster mit dem „Baum des Lebens“. Das feine Gitterwerk filtert das Licht und wirft Muster auf den Boden, die sich im Lauf des Tages verändern. Die Moschee zeigt, wie die Handwerker Gujarats islamische Bauformen mit der Steinmetzkunst ihrer Heimat verbanden.

Der Hutheesing-Jain-Tempel entstand 1848 und kostete 800.000 Rupien. Er ist dem Tirthankara Shri Dharmanatha geweiht, besteht aus weißem Marmor und trägt feine Schnitzereien. Der Swaminarayan-Tempel Kalupur stammt von 1822 und ist für Schnitzereien aus burmesischem Teakholz bekannt. Der Sonnentempel von Modhera, rund tausend Jahre alt, liegt nicht in Ahmedabad, ist aber von hier aus als Tagesausflug erreichbar. In allen Gotteshäusern gelten Regeln für Kleidung und Schuhe, die du auf der Seite Verhalten und Knigge nachlesen kannst.

Fein durchbrochenes Steingitter-Fenster einer Moschee in Ahmedabad mit Lichtmustern

Der Stufenbrunnen von Adalaj

Der Adalaj-Stufenbrunnen („Adalaj ni Vav“) liegt im Dorf Adalaj im Distrikt Gandhinagar, nur eine kurze Fahrt von Ahmedabad entfernt; vom Flughafen sind es etwa 15 Kilometer, mit dem Auto rund 30 Minuten aus Ahmedabad. Rana Veer Singh aus der Dynastie der Vaghela begann den Bau Ende des 15. Jahrhunderts. Bevor der Brunnen fertig war, fiel das Reich an Sultan Mahmud Begada, und Rana Veer Singh starb im Kampf. Von da an erzählt die Legende: Seine Witwe, Königin Rudabai, wollte sich auf dem Scheiterhaufen ihres Mannes opfern, doch Begada war von ihrer Schönheit und ihrem Verstand angetan und hielt um ihre Hand an. Sie willigte ein, wenn er zuerst den Brunnen ihres Mannes vollenden lasse. Die Handwerker stellten ihn fertig, Rudabai stieg die Stufen hinab, betete für ihren Mann und sprang in die Tiefe. Als Legende ist das nicht belegt, gehört aber zum Ort.

Der Brunnen hat fünf Ebenen und verbindet hinduistische, jainistische und islamische Motive. Eine achteckige Öffnung lässt Licht und Luft hinein und wirft Schattenmuster; je tiefer du hinabsteigst, desto kühler wird es, was im Sommer Erholung brachte. Das Sonnenlicht erreicht das Wasser direkt nur um die Mittagszeit. Säulen und Wände tragen Reliefs von Tänzerinnen, Blütenmustern, mythologischen Szenen und Dorfleben. Zu den Symbolen gehören Kalp Vriksha, der Baum des Lebens, Ami Khumbor, der Krug des ewigen Wassers, und ein Fries der Navagraha, der neun Planeten. Der Brunnen war Wasserquelle und Treffpunkt der Frauen, Festplatz und Rastplatz für Reisende. Am schönsten ist er am frühen Morgen und am späten Nachmittag, wenn das Licht schräg auf die Reliefs fällt.

Essen, Märkte und Handwerk

Das Standardgericht ist die Gujarati-Thali, ein Teller, der Süßes und Salziges mischt. Dazu kommen Undhiyu, ein Gemüsegericht aus mehreren Sorten, Thepla, ein gewürztes Fladenbrot mit Bockshornklee zum Frühstück, Dhokla, ein leichter gedämpfter Snack aus fermentiertem Reis- und Kichererbsenteig mit Koriander, und Khakhra, dünne Weizencracker in vielen Geschmacksrichtungen. Der Manek Chowk ist tagsüber Gemüsemarkt und wird nach Sonnenuntergang zum Essensmarkt mit Sev Puri und Bhel. Im Law-Garden-Nachtmarkt gibt es Dabeli und Chaat, in der Bhatiyar Gali Kebab und Biryani. Einen Überblick über die Küche des Landes bietet die Seite indische Küche.

Zum Handwerk Gujarats gehören Applikationsarbeiten aus geschichteten Stoffen, Blockdruck mit Holzstempeln und Naturfarben, Perlenschmuck und bestickte Chaniya Cholis, knielange Röcke mit Spiegelstickerei. Das Calico-Museum zeigt die Textilgeschichte der Region. Zum Einkaufen eignen sich Navrangpura und die Sindhi-Märkte, außerdem der Lal-Darwaza-Markt für Kleidung und Elektronik, wo gehandelt wird, der Dhalgarwad-Markt für handbedruckte Stoffe, der Sonntagsmarkt Ravivari und die CG Road für Markenartikel. Preise handelst du auf den Märkten aus; praktische Hinweise stehen auf der Seite Geld und Kosten.

Marktstand mit bunten Stoffen und Gewürzen in einer Gasse von Ahmedabad

Feste, Parks und Ausflüge

Zu Navratri, den neun Nächten, wird in der ganzen Stadt Garba getanzt, ein Volkstanz, der zu den größten Feiern Ahmedabads gehört. Zu Makar Sankranti im Januar steigt das Internationale Drachenfest Uttarayan, bei dem Menschen von den Dächern der Stadt Drachen steigen lassen. Im Januar findet am Sonnentempel von Modhera ein dreitägiges Festival klassischen Tanzes statt. Mehr zu Festen im Jahreslauf erfährst du auf der Seite Feste und Feiertage in Indien.

Am Fluss führt die Sabarmati Riverfront als geplante Promenade über 22 Kilometer. Der Kankaria-See ist ein künstlicher, vieleckiger See von 76 Acres mit Steinstufen, Zoo, Naturkundemuseum, Kinderpark, Freilufttheater und einer künstlichen Insel namens Naginavadi, auf der ein Fesselballon aufsteigt. Weitere Grünflächen sind der Victoria Garden, der Zen Garden und der Parimal Garden mit Lotusteichen. In der Umgebung locken das Vogelschutzgebiet Nal Sarovar mit Pelikanen und Flamingos, der Thol-See, der Velavadar-Nationalpark für Hirschziegenantilopen und Lothal, eine Fundstätte der Harappa-Zeit. Wer Wissenschaft mag, besucht das Vikram Sarabhai Space Exhibition Centre oder die Gujarat Science City; Autoliebhaber das Oldtimermuseum Auto World.

Geheimtipp

Beginne am Morgen in den Pols der Altstadt, solange die Gassen ruhig sind, und fahre nach der Mittagshitze zum Sabarmati Ashram. Den Abend verbringst du auf dem Manek Chowk, wenn der Gemüsemarkt zum Essensmarkt wird. Den Stufenbrunnen von Adalaj besuchst du am besten früh oder am späten Nachmittag.

Wie viele Tage brauchst du für Ahmedabad?

Zwei volle Tage genügen für Altstadt, Moscheen, Sabarmati Ashram und Essen. Mit Adalaj und einem Tagesausflug nach Modhera sind drei bis vier Tage angenehm.

Seit wann ist Ahmedabad Welterbestadt?

Die ummauerte Altstadt mit ihren Pols steht auf der Welterbeliste der UNESCO; Ahmedabad war die erste Stadt Indiens mit diesem Status.

Wann wurde der Sabarmati Ashram gegründet?

Gandhi gründete ihn 1917; das Gedenkmuseum auf dem Gelände wurde 1963 eröffnet. Der Salzmarsch nach Dandi begann hier 1930.

Welcher Flughafen liegt Ahmedabad am nächsten?

Der internationale Flughafen Sardar Vallabhbhai Patel (AMD). Der Hauptbahnhof heißt Ahmedabad Junction (ADI).

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