Bikaner: Junagarh, Karni Mata, Kamele und Reisezeit

Bikaner: Junagarh, Karni Mata, Kamele und Reisezeit

Bikaner liegt in der Wüste Thar im Nordwesten Rajasthans und wurde 1488 von Rao Bika gegründet, einem Sohn des Jodhpur-Gründers Rao Jodha. Die Stadt besitzt die Festung Junagarh aus rotem Sandstein, den Lalgarh-Palast, Havelis der Kaufleute, den Rattentempel Karni Mata und ein nationales Kamelforschungszentrum. Beste Reisezeit ist Oktober bis März.

Wer von Jaisalmer oder Jodhpur kommt, erreicht in Bikaner eine Stadt, die weniger bekannt ist als ihre Nachbarn und gerade deshalb ruhiger wirkt. Sie liegt mitten in der Thar, der Großen Indischen Wüste, und war früher eine Handelsstation an den Karawanenrouten zwischen Indien und Zentralasien. Hier sammelten sich Kamelhändler, hier ließen sich Kaufleute aus Marwar nieder und bauten Havelis mit geschnitzten Fassaden. Die Festung Junagarh steht nicht auf einem Berg, sondern auf der Ebene, und im Inneren leuchten Räume in Gold und Zinnober.

Dieser Ratgeber erklärt die Stadtgeschichte, führt durch Junagarh, Lalgarh und die Altstadt, beschreibt Jain-Tempel und den Rattentempel, stellt das Kamelforschungszentrum und das Schutzgebiet Gajner vor und gibt Hinweise zu Essen, Märkten, Festen, Klima und Anreise. Die Stadt gehört zu Rajasthan und lässt sich gut mit Jaisalmer und Jodhpur verbinden.

LageWüste Thar, Nordwestrajasthan
Gründung1488 durch Rao Bika
Früherer NameJungladesh, Königreich der Wälder
WahrzeichenFestung Junagarh aus rotem Sandstein
Weitere ZieleLalgarh-Palast, Rampuria-Havelis, Bhandasar-Tempel, Karni-Mata-Tempel
NaturSchutzgebiet Gajner mit See, Hirschziegenantilope und Chinkara
ReisezeitOktober bis März
Flughafen und BahnhofBikaner (BKB), Bahnhof Bikaner (BKN)

Wie entstand Bikaner und warum wurde die Stadt reich?

Der frühere Name der Gegend lautet Jungladesh, das Königreich der Wälder. 1488 gründete der Rajputen-Prinz Rao Bika, ein Sohn von Rao Jodha, dem Gründer von Jodhpur, die Stadt. Sie lag an Karawanenrouten, die Indien mit Zentralasien verbanden, und wurde zu einem Zentrum des Kamelhandels, das indischen Händlern den Handel mit Menschen aus anderen Ländern ermöglichte. Rao Bika lud wohlhabende Marwari-Kaufleute ein und gab ihnen Land, auf dem sie prächtige Havelis bauten. Der Bhandasar-Jain-Tempel entstand schon 1428, noch vor der Stadt.

Spätere Herrscher bauten Bikaner zu einer Residenz aus. Im 16. Jahrhundert ließ Raja Rai Singh, ein Heerführer des Mogulkaisers Akbar, die Festung Junagarh errichten. Zu den indo-sarazenischen Bauten der Stadt zählen der Lalgarh-Palast und der Laxmi-Niwas-Palast. Die Baukunst der Stadt verbindet Rajputen-, Mogul- und örtliche Einflüsse.

Was zeichnet die Festung Junagarh aus?

Junagarh wurde in der Ebene gebaut, nicht auf einem Hügel wie viele Festungen in Rajasthan. Sie schützte Bikaner vor Angriffen und diente den regierenden Maharadschas als Residenz. Die Mauern, Bastionen und Tore umschließen Höfe, Balkone und Paläste aus rosarotem Sandstein. Die Bauformen mischen Rajputen-, Gujarat-, Mogul- und westliche Einflüsse.

Zu den bekannten Bauten zählen Karan Mahal, Anup Mahal und Phool Mahal. Der Anup Mahal ist der aufwendigste Schauraum der Usta-Kunst, einer Lacktechnik auf Kamelhaut, die Wände, Decken und Türen in Gold und Zinnober schmückt. Usta stammt aus dem Persischen und heißt Meister; Künstler, die unter Akbar aus Iran kamen, brachten das Handwerk nach Indien. Typische Muster sind Taarabandi, ein sternenübersäter Himmel, und Naqqashi mit Blumenmotiven; sie wirken dreidimensional und stark mogulisch. Daneben fallen weißer Marmor mit Blumen- und Mustern, Stuckdecken, Glasmosaik mit Blattgold, vergoldete Götterfiguren und Bilder mit Edelsteineinlagen auf. Das Museum der Festung zeigt Sänften, mittelalterliche Waffen, Gemälde und ein restauriertes Flugzeug aus dem Ersten Weltkrieg.

Welche Paläste, Havelis und Tempel lohnen den Besuch?

Der Lalgarh-Palast ist der Wohnsitz der Herrscherfamilie. Das Sadhul-Museum im Gebäude zeigt Bilder, Gemälde und Gegenstände der Dynastie, vor dem Eingang steht ein königlicher Eisenbahnwagen. Die Fassaden aus geschnitztem rotem Sandstein folgen dem indo-sarazenischen Stil. Der Laxmi-Niwas-Palast ist ebenfalls indo-sarazenisch gestaltet und als Heritage-Hotel eingerichtet.

Die Rampuria-Havelis in der Altstadt, aus Dulmera-Sandstein, verbinden Mogul-, Rajputen- und viktorianische Einflüsse. Fassaden, Jharokhas und Fresken sind kunstvoll gearbeitet; nur ausgewählte Teile sind zugänglich. Der Bhandasar-Jain-Tempel von 1428 steht unter der Pflege der Archäologischen Behörde Indiens (ASI) und besitzt bemerkenswerte Wandmalereien. Die Cenotaphe von Devikund Sagar erinnern an die Herrscher mit Chhatris im Rajputen- und Mogulstil und Bildern des Gottes Krishna. Der Laxminath-Tempel ist für sein prächtiges Inneres bekannt.

Wann reist du am besten und wie kommst du hin?

Die empfohlene Reisezeit ist Oktober bis März, wenn es am mildesten ist. Im Januar liegen sie zwischen 2,2 und 29,2 Grad, im Februar zwischen 5,8 und 33,1 Grad, im November zwischen 9,2 und 35,2 Grad und im Dezember zwischen 4,0 und 31,0 Grad. Im Mai steigt das Thermometer auf bis zu 46,1 Grad, im Juni auf 45,9 Grad. Hinweise zu Gepäck und Kleidung bietet die Seite Packliste für Indien.

Bikaner hat einen eigenen Flughafen (BKB) und einen Bahnhof (BKN); die weiteren großen Flughäfen sind Jaipur (JAI) und Delhi (DEL). Als Nachbarziele kommen Jodhpur, Ajmer, Jaisalmer, Jaipur, Alwar, Chittorgarh, Bundi und Udaipur in Betracht. Mehr zu den Verkehrsmitteln steht auf der Seite Fortbewegung in Indien.

Kamele und Wüstenschutzgebiet: Forschungszentrum und Gajner

Das Nationale Forschungszentrum für Kamele wurde 1984 von der Zentralregierung eingerichtet. Es erforscht Zucht, Ernährung und Krankheitsvorsorge der Tiere und schult Kamelhalter in nachhaltiger Haltung. Besucher erleben Führungen durch Labore, Tierarztstationen und Zuchtgehege, Ausstellungen zur Geschichte der Kamele und Vorführungen mit Rennen, Tänzen und Geschicklichkeitsaufgaben. Es gibt einen Souvenirladen.

Rund 44 Kilometer von der Stadt, etwa eine Stunde Fahrt, liegt das Schutzgebiet Gajner. Es war Jagdgebiet der Maharadschas von Bikaner und wurde im späten 19. Jahrhundert unter Maharadscha Ganga Singh zum Schutzgebiet ausgebaut. Hirschziegenantilopen, Chinkaras und Nilgauantilopen leben dort; im Winter versammeln sich Flamingos, Kraniche und Pelikane an Seen und Sümpfen. Der Gajner-See ist das wichtigste Gewässer. Du kannst Safaris, Wanderungen, Bootsfahrten und Camping unternehmen. Ein roter Sandsteinpalast, den Ganga Singh als Jagdhaus am See bauen ließ, ist ein Hotel. Weitere Tierziele in Rajasthan stehen auf den Seiten zu Ranthambore und Tiere in Indien.

Kamelherde in der Wüste Thar bei Bikaner in der Abenddämmerung

Der Rattentempel Karni Mata in Deshnoke

Der Tempel Karni Mata liegt in Deshnoke bei Bikaner und ist wegen seiner Ratten bekannt. Mehr als 25.000 Tiere, in der Region Kabbas genannt, leben auf dem Gelände, fressen, schlafen und laufen frei umher. Die Überlieferung erzählt, Karni Mata sei im 14. Jahrhundert im Clan der Charan geboren und eine Verkörperung der Göttin Durga gewesen. Als ihr Sohn starb, verhandelte sie mit Yama, dem Gott des Todes, und erreichte, dass die Seelen ihrer Clanangehörigen als heilige Ratten umherwandern und anschließend als Menschen wiedergeboren werden. Wer die Ratten ehrt, erhofft sich Glück, Gesundheit und Wohlstand.

Die Fassade aus Marmor hat silberne Türen, und der innere Raum zeigt feine Bodenmuster; die geschnitzten Eingänge ließ Maharadscha Ganga Singh im frühen 20. Jahrhundert errichten. Schutzgitter bewahren die Ratten vor Raubtieren und lassen dich nahe an die Tiere heran. Beachte die Regeln für Tempelbesuche, die auf der Seite Verhalten und Knigge stehen.

Essen, Märkte und Feste

Bikaner ist für Bikaneri Bhujia bekannt, ein salziges Knabbergebäck, dazu gibt es Raj Kachori, Samosa und Kachori. Als Süßes beliebt sind Ghewar, Kesar Kulfi und Rasgulla. Die Rajasthani-Thali wird von Palastrestaurants bis zu einfachen Lokalen serviert. Mehr zur Küche steht auf der Seite Indische Küche. Zum Einkaufen eignen sich der Bada Bazaar und das Kote Gate, bekannt für Textilien, Schmuck und Lederwaren, sowie der Khari Bazaar mit Gewürzständen. Das Kote Gate Handicrafts Emporium zeigt Arbeiten örtlicher Handwerker.

Im Festkalender stehen das Kamelfest, die Kolayat-Messe, die um Kartik Purnima im Oktober oder November rund 50 Kilometer von Bikaner entfernt stattfindet und Pilger zum Bad im See anzieht, das 18-tägige Gangaur-Fest, bei dem Frauen zu Parvati beten, Sheetla Ashtami und das Karni-Mata-Fest. Handgefertigte Usta-Souvenirs wie Untersetzer, Pokale, Vasen, Bilderrahmen und Lampen sind sehr teuer. Allgemeine Feste Indiens stellt die Seite Feste in Indien vor.

Gasse in der Altstadt von Bikaner mit Haveli-Fassade aus rotem Sandstein

Vier Tage in Bikaner

Für den Aufenthalt bietet sich ein Plan über vier Tage an. Am ersten Tag stehen Junagarh und der Karni-Mata-Tempel auf dem Programm, danach ein Bummel durch die Altstadt. Der zweite Tag führt zum Gajner-Palast, 44 Kilometer entfernt, und zum Kamelforschungszentrum, danach zum Lalgarh-Palast. Der dritte Tag gehört dem Bhandasar-Jain-Tempel und der Küche, der vierte dem Laxmi-Niwas-Palast und dem Einkauf auf den Märkten.

Wer weiterreist, setzt die Tour nach Jaisalmer oder Jodhpur fort oder verbindet Bikaner in einer Runde mit Chittorgarh und Bundi. Eine Gesamtroute zeigt die Seite Rajasthan-Rundreise.

Geheimtipp

Besuche Junagarh am Vormittag und den Rattentempel am späten Nachmittag. Im Anup Mahal lohnt der Blick nach oben auf die Decke mit Gold- und Zinnoberlack. Plane für die Wüstentemperaturen Sonnenschutz und ausreichend Wasser ein.

Wann wurde Bikaner gegründet?

1488 durch Rao Bika, einen Sohn von Rao Jodha, dem Gründer von Jodhpur.

Wann ist die beste Reisezeit für Bikaner?

Von Oktober bis März. Im Mai steigen die Temperaturen auf bis zu 46,1 Grad.

Was ist an Junagarh besonders?

Die Festung steht auf der Ebene, nicht auf einem Hügel. Ihre Räume sind mit Usta-Kunst, Spiegeln, Stuck und Marmor verziert, im Museum sind Sänften, Waffen und ein Flugzeug zu sehen.

Wie kommt man nach Bikaner?

Mit dem Flugzeug nach Bikaner (BKB), Jaipur (JAI) oder Delhi (DEL) und mit der Bahn zum Bahnhof Bikaner (BKN).

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