Elephanta-Höhlen: Insel, Maheshamurti, Haupthöhle und Anreise

Elephanta-Höhlen: Insel, Maheshamurti, Haupthöhle und Anreise

Die Elephanta-Höhlen liegen auf der Insel Gharapuri im Hafen von Mumbai, rund 11 Kilometer vom Gateway of India entfernt. Sieben in den Basalt geschlagene Höhlen, fünf shivaitische und zwei buddhistische, bilden die Anlage. Die Haupthöhle zeigt Shiva in großen Reliefs, allen voran die dreigesichtige Büste Maheshamurti. Die Höhlen sind UNESCO-Welterbe und werden vom Archaeological Survey of India betreut.

Wer in Mumbai vom Gateway of India aufs Wasser blickt, sieht am Horizont eine grüne Insel. Sie heißt Gharapuri, die Portugiesen nannten sie Elephanta, und auf ihrem Hügel liegt eine der wichtigsten Stätten der Felsbaukunst in Westindien. Die Haupthöhle ist ein Tempel, der nicht gemauert, sondern aus dem Berg herausgearbeitet wurde, mit Säulenhalle, Heiligtum und mächtigen Reliefs aus der Welt des Gottes Shiva.

Dieser Ratgeber erklärt Lage und Namen der Insel, ihre Geschichte, den Aufbau der Haupthöhle und ihre berühmtesten Skulpturen, stellt die übrigen Höhlen vor und zeigt, wie sich der Ausflug in einen Aufenthalt in Mumbai einfügt. Wer sich für Felstempel interessiert, ergänzt den Besuch um Ajanta und Ellora, deren Höhle 29 der Haupthöhle von Elephanta im Grundriss ähnelt.

LageInsel Gharapuri im Hafen von Mumbai, Taluka Uran, Distrikt Raigad, Maharashtra
Entfernungrund 11 Kilometer vom Gateway of India (Apollo Bandar)
Überfahrtper Fähre vom Gateway of India, etwa eine Stunde
Höhlensieben Höhlen, fünf shivaitische und zwei buddhistische
HauptwerkHöhle 1 mit der dreigesichtigen Maheshamurti
GesteinBasalt
Welterbeseit 1981
BetreuungArchaeological Survey of India

Wo liegen die Elephanta-Höhlen und woher stammt der Name?

Die Höhlen liegen auf einer Insel im Hafen von Mumbai, etwa 11 Kilometer vom Gateway of India entfernt und rund 7 Kilometer vom nächsten Festlandufer. Verwaltungsmäßig gehört die Insel zum Taluka Uran im Distrikt Raigad. Ihr einheimischer Name ist Gharapuri, auf Marathi die Siedlung auf dem Hügel.

Den Namen Elephanta gaben die Portugiesen. Sie fanden bei der alten Anlegestelle die Skulptur eines großen Elefanten und übertrugen den Namen auf die ganze Insel. Die Figur wurde später versetzt und steht heute im Jijamata-Garten von Mumbai, dem ehemaligen Rani ka Bagh.

Wie viele Höhlen gibt es und was ist das Besondere an Höhle 1?

Die Insel besitzt sieben Höhlen. Fünf davon sind shivaitische Höhlen, zwei sind buddhistisch. Höhle 1, die Haupthöhle, ist die eindrucksvollste. Sie zeigt die reife Phase der brahmanischen Felsbaukunst und ist für ihre fein ausgearbeiteten, lebendigen Skulpturen bekannt. Ihr Grundriss ähnelt dem der Höhle 29, Dumar Lena, in Ellora.

Wie kommt man zu den Elephanta-Höhlen?

Die Fähren legen am Gateway of India in Mumbai ab und brauchen für die Überfahrt etwa eine Stunde. Vom Anleger führt ein Aufgang zur Haupthöhle am Hügel. Der Ausflug lässt sich gut mit einem Tag in der Stadt verbinden. Hinweise zur Anreise nach Mumbai gibt die Seite Flugverkehr.

Wann sind die Höhlen entstanden?

Die Anlage entstand in der Mitte des ersten Jahrtausends nach Christus, als an der Westküste Indiens viele Felsheiligtümer geschaffen wurden. Die genaue Datierung wird in der Forschung diskutiert, weil keine Stifterinschrift erhalten ist. Gesichert ist, dass die Insel über Jahrhunderte unter wechselnden Dynastien stand.

Die Insel und ihre Geschichte

Die Insel besteht aus zwei Hügeln, die eine Schlucht trennt. Auf dem östlichen Hügel, dem Stupa-Hügel, liegen weitere Höhlen, auf dem westlichen die Haupthöhle. Mango, Tamarinde, Karanj und Palmen bedecken die Hänge. Drei kleine Siedlungen besitzen Anleger: Set Bunder im Norden, Mora Bundar im Nordosten und Raj Bunder im Süden, wo das Dorf Gharapuri liegt.

Schon der alte Name der Insel ist überliefert. Die Inschrift von Aihole, die der Chalukya-Herrscher Pulakesin II. setzen ließ, erwähnt eine Stadt Puri, mit der man die Insel verbindet. Danach herrschten hier nacheinander die Konkan-Maurya, die Trikutaka, die Chalukya von Badami, die Silahara, die Rashtrakuta, die Chalukya von Kalyani und die Yadava von Devagiri. Später kam die Insel unter die Muslimherrscher von Ahmedabad, dann zu den Portugiesen, danach zu den Marathen und schließlich zu den Briten. Die Chalukya von Badami hinterließen auf dem Festland ihre eigenen Felstempel, die du in Badami, Aihole und Pattadakal findest.

Die lange Reihe der Herrscher zeigt, warum die Insel wichtig war. Sie liegt mitten im Hafen von Mumbai und wurde von jeder Macht gebraucht, die den Seeweg an der Küste kontrollieren wollte. Dass hier trotzdem ein Heiligtum von dieser Größe entstehen konnte, zeigt die Bedeutung des Ortes als religiöses Zentrum.

Bewaldeter Hügel der Insel Elephanta im Hafen von Mumbai mit Blick über das Wasser

Der Aufbau der Haupthöhle

Die Haupthöhle ist ein Tempel ohne Mauern. Handwerker trugen den Basalt Schicht für Schicht ab, bis eine Halle mit Säulen, Nischen und einem Heiligtum entstanden war. Der Basalt der Insel eignet sich für feine Bildhauerarbeit, und die Westküste Indiens besitzt viele Felsheiligtümer, die meisten davon aber im Gebirge der Sahyadri und nicht auf einer Insel.

Der Haupteingang liegt im Norden. Zusätzlich öffnen sich Zugänge im Osten und im Westen. In der Mitte erstreckt sich die Säulenhalle, in der die Pfeiler in gleichmäßigen Reihen stehen und Gänge bilden. Ein Heiligtum mit einem Linga, dem Sinnbild Shivas, bildet das religiöse Zentrum der Anlage. Drei große quadratische Nischen, die Pilaster voneinander trennen, enthalten jeweils riesige Wächterfiguren, die Dvarapalas.

Die Anordnung ist ungewöhnlich, weil der Hauptzugang nach Norden zeigt und die Anlage entlang einer Nord-Süd-Achse aufgebaut ist. Wer die Halle abschreitet, folgt der üblichen Umrundung im Uhrzeigersinn: Die Reliefs sind so verteilt, dass man sie nacheinander betrachtet, bevor man das Heiligtum erreicht.

Maheshamurti: die dreigesichtige Büste

Das berühmteste Bildwerk der Insel ist die Maheshamurti, eine gewaltige Büste in der mittleren Nische der Haupthöhle. Sie zeigt Shiva mit drei Gesichtern, die drei Wesenszüge des Gottes verkörpern: Aghora, die furchterregende Seite, Tatpurusha, die ruhige und meditierende, und Vamadeva, die sanfte und liebenswerte. Sie gibt der Halle ihren Mittelpunkt.

Die drei Gesichter sind kein Zufall, sondern eine religiöse Aussage. In der Lehre des Shivaismus vereint der Gott Schöpfung, Bewahrung und Zerstörung in einer Gestalt. Der Bildhauer löste diesen Gedanken, indem er einen einzigen Block in drei Blickrichtungen auffächerte.

Auf beiden Seiten der Büste ist Shiva in weiteren Gestalten dargestellt. Die Mittelfigur wirkt ruhig, die Seitenreliefs sind bewegt, und dieser Wechsel macht die Halle lebendig.

Weitere Reliefs der Haupthöhle

Neben der Büste zeigt die Höhle mehrere Szenen aus der Welt Shivas. Im Osten steht Ardhanarishvara, eine Gestalt, die zur Hälfte männlich und zur Hälfte weiblich ist und die Einheit der beiden Prinzipien ausdrückt. Im Westen spielen Shiva und Parvati das Würfelspiel Chausar. Weitere Tafeln zeigen die Tötung des Dämons Andhaka, den tanzenden Nataraja, die Hochzeit von Shiva und Parvati, den Herabstieg der Ganga in Shivas Haar, den Dämonenkönig Ravana, der den Berg Kailasa schüttelt, und Shiva als Lakulisa. In der Nähe der östlichen Öffnung steht eine Tafel der Saptamatrikas, der sieben Muttergöttinnen.

Viele dieser Szenen sind Legenden. In der Geschichte der Gangadhara fängt Shiva den Sturz der himmlischen Ganga mit seinen Haaren auf, damit die Erde unter dem Wasser nicht zerbricht. Parvati steht neben ihm, über ihm erscheinen die Köpfe der drei Flüsse. In der Hochzeitsszene Kalyanasundara stehen Brahma als Priester sowie Vishnu und Lakshmi als Gäste im Bild. Die Ravana-Tafel erzählt, wie der Dämon den Berg Kailasa heben wollte und von Shivas Zeh niedergedrückt wurde.

Viele Figuren sind beschädigt, an manchen fehlen Arme oder Beine. Wer die Tafeln genau ansieht, erkennt trotzdem die Bewegung und die Proportionen der Körper. Eine Hilfe sind die Erläuterungen vor Ort. Einen Überblick über die Götterwelt gibt die Seite Religionen.

Die übrigen Höhlen

Neben der Haupthöhle besitzt die Insel weitere Höhlen. Höhle 2 liegt südöstlich der Haupthöhle und öffnet sich nach Osten. Die Höhlen 3 und 4 folgen weiter südlich, die Höhlen 5 und 6 liegen auf dem östlichen Hügel jenseits der Schlucht. Eine Höhle auf dem östlichen Hügel ist unvollendet geblieben und zeigt, wie ein solcher Raum aus dem Fels entsteht.

Zwei der sieben Höhlen sind buddhistisch. Sie erinnern daran, dass die Insel nicht nur ein Ort des Shivaismus war, sondern über Jahrhunderte mehreren Glaubensrichtungen diente. Die stillen Höhlen am Hügel sind weniger bekannt als die Haupthöhle und werden seltener besucht, sodass dort mehr Ruhe herrscht.

Ein Seitenschrein der Haupthöhle ähnelt im Grundriss der Höhle 21, Ramesvara, in Ellora und trägt Figuren von Ganesha und den Muttergöttinnen. Der Vergleich mit Ellora zeigt, wie eng die Bildhauer der Westküste und des Dekkan in dieser Zeit verbunden waren.

Kleine aus dem Basaltfels geschlagene Höhle am Hang der Insel Elephanta

Elephanta im Rahmen eines Mumbai-Besuchs

Elephanta eignet sich als Halbtagesausflug. Die Überfahrt dauert etwa eine Stunde, der Aufgang zur Haupthöhle führt über Stufen, und für die Höhlen selbst reichen ein bis zwei Stunden. Wer außerdem die Stadt sehen will, findet auf der Seite zu Mumbai weitere Ziele rund um das Gateway of India.

Der Ausflug passt gut zu einer Reise durch Maharashtra. Wer die Felsbaukunst vertiefen möchte, reist weiter nach Ajanta und Ellora, wo die Höhlen größer und zahlreicher sind. Die Haupthöhle von Elephanta ist dagegen überschaubar und lässt sich in Ruhe erfassen.

Feuchte Seeluft und Wasser, das in der Regenzeit in den Fels sickert, setzen den Höhlen zu. Deshalb sollten Besucher die Reliefs nicht berühren. Beachte außerdem die Hinweise auf der Seite Sicherheit und die Packliste mit Sonnenschutz und festen Schuhen.

Elephanta im Überblick: so planst du den Besuch

Die Haupthöhle mit der Maheshamurti, den Wächterfiguren und den großen Tafeln ist das Ziel der meisten Reisenden. Wer mehr Zeit hat, erkundet die Höhlen auf dem östlichen Hügel und genießt den Blick über den Hafen von Mumbai.

Geh früh los und rechne für Überfahrt, Aufstieg und Höhle einen halben Tag ein. Lies vorher die Geschichten der Reliefs, denn die Tafeln erzählen sie in Bildern, und mit etwas Vorwissen wird aus der Halle ein lesbares Buch aus Stein. Zusammen mit den Felstempeln von Ellora und Badami lässt sich eine Reise durch die Epoche gestalten, in der Indien seine Tempel aus dem Berg schlug.

Geheimtipp

Plane Elephanta für den Vormittag, damit die Haupthöhle in weichem Licht liegt, und lies unterwegs die Legende der Reliefs nach. Wer die Tafeln von Gangadhara, Kalyanasundara und Ravana kennt, erkennt sie sofort und sieht in der Halle viel mehr als nur Figuren.

Wo liegen die Elephanta-Höhlen?

Auf der Insel Gharapuri im Hafen von Mumbai, rund 11 Kilometer vom Gateway of India entfernt, im Distrikt Raigad in Maharashtra.

Wie viele Höhlen gibt es?

Sieben, davon fünf shivaitische und zwei buddhistische. Die Haupthöhle 1 ist die eindrucksvollste.

Was ist die Maheshamurti?

Eine gewaltige dreigesichtige Büste Shivas in der mittleren Nische der Haupthöhle. Die Gesichter stehen für Aghora, Tatpurusha und Vamadeva.

Woher kommt der Name Elephanta?

Die Portugiesen benannten die Insel nach einer großen Elefantenskulptur an der alten Anlegestelle. Der einheimische Name lautet Gharapuri.

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