Gwalior: Festung, Man Mandir, Sas-Bahu-Tempel und Musikstadt

Gwalior: Festung, Man Mandir, Sas-Bahu-Tempel und Musikstadt

Gwalior in Madhya Pradesh besitzt eine Festung auf einem Sandsteinfelsen mit zehn Meter hohen Mauern, den Man-Mandir-Palast, den Teli-ka-Mandir, die Sas-Bahu-Tempel und riesige Jain-Skulpturen. Die Stadt ist die Heimat des Musikers Tansen und trägt den UNESCO-Titel Creative City of Music. Die beste Reisezeit ist von Oktober bis März; Flughafen und Bahnhof tragen den Code GWL.

Zwischen Agra und Orchha liegt eine Stadt, die viele Reisende nur durchqueren: Gwalior. Dabei trägt die Festung den Beinamen „Perle unter den Festungen Indiens“, die Stadt hat Palastmuseen, eine Musiktradition, die bis zu Tansen am Hof von Akbar zurückreicht, und Ausflugsziele wie Bateshwar mit rund 200 Sandsteintempeln. Dieser Ratgeber führt dich durch die Festung in der Reihenfolge, in der sich die Monumente sinnvoll besuchen lassen, erklärt Geschichte und Legenden, stellt die Stadt außerhalb der Mauern und die Musiktradition vor und nennt Reisezeit, Anreise, Essen und Einkauf. Gwalior liegt im Bundesstaat Madhya Pradesh und lässt sich gut mit Agra, Orchha und Khajuraho verbinden.

LageGwalior, Madhya Pradesh
FestungHügelfestung auf einem freistehenden Sandsteinfelsen, Mauern zehn Meter hoch
ZugängeHathi Pol und Urwai-Tor
HauptbautenMan-Mandir-Palast, Gujari Mahal, Teli ka Mandir, Sas-Bahu-Tempel, Gurudwara Data Bandi Chhor
Jain-SkulpturenTirthankaras aus dem Fels, Adinath 17 Meter
MusikHeimat von Tansen, UNESCO Creative City of Music
AnreiseFlughafen und Bahnhof Gwalior (GWL)
Beste ZeitOktober bis März

Was ist die Festung von Gwalior?

Die Festung steht auf einem freistehenden Sandsteinfelsen. Ihre Mauern sind zehn Meter hoch, die Fassade zeigt blaue und goldene Fliesenmuster. Ihr Beiname lautet „Perle unter den Festungen Indiens“. Zwei Haupttore führen hinein, das Hathi Pol und das Urwai-Tor; insgesamt hat die Anlage sechs Tore. Am Urwai-Tor siehst du die Jain-Skulpturen am Fels.

Zur Gründung gibt es eine Legende. Der Häuptling Suraj Sen wurde vom Einsiedler Gwalipa an einem heiligen Teich, dem heutigen Suraj Kund, von einer Hautkrankheit geheilt und benannte Stadt und Festung zu Ehren des Heiligen. Historisch folgten die Kachchhapaghatas und die Tomar-Rajputen; die Tomars eroberten die Festung 1398, und ihr bekanntester Herrscher war Man Singh. Danach regierten die Moguln, später die Marathen unter den Scindias bis ins frühe 19. Jahrhundert. Den letzten großen Kampf um die Festung führten 1857 die Rani von Jhansi und Tantia Tope. Die Reihe der Herrscher ist lang, und jede Dynastie hat Spuren hinterlassen.

Was zeigt der Man-Mandir-Palast?

Der Man-Mandir-Palast, auch Man Singh Palace genannt, ist das Prunkstück der Festung. Raja Man Singh Tomar ließ ihn bauen, und lange war er die Hauptresidenz der Tomar-Herrscher. Der Palast hat zwei oberirdische Stockwerke mit geschmückten Decken und Innenhöfen; die Fassade tragen blaue und gelbe Fliesen, dazu kommen Gitterschirme sowie florale und geometrische Mosaike. Ein Teil des Gebäudes liegt unter der Erde: Insgesamt hat er vier Stockwerke, zwei davon im Untergrund. Reliefs von Enten, Pfauen, Elefanten, Löwen und Bananenstauden schmücken ihn.

Gönn dir hier Zeit. Der Palast zeigt, wie die Tomars wohnten und herrschten, und seine Fliesen sind das bekannteste Fotomotiv der Festung. Neben dem Man Mandir steht der Gujari Mahal, den Man Singh Tomar für seine Königin Mrignayani baute, eine Gujjar. Das zweigeschossige quadratische Gebäude ist heute ein Archäologisches Museum, einige Exponate stammen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Das seltenste Stück ist die Figur der Shalabhanjika.

Was sind der Teli ka Mandir und die Sas-Bahu-Tempel?

Der Teli ka Mandir ist ein Vishnu-Tempel aus dem 8. oder 9. Jahrhundert und das älteste Monument der Festung. Du erkennst ihn an der Garuda-Figur über dem Eingang. Sein Name geht auf die Ölhändler zurück, die ihn finanzierten; eine Inschrift am Haupttor hält das fest. Die Architektur verbindet den nordindischen Nagara-Stil mit dem südindischen Dravida-Stil, eine Mischung, die du im Norden selten siehst.

Die Sas-Bahu-Tempel („Schwiegermutter und Schwiegertochter“) entstanden im 11. Jahrhundert, der Abschluss fällt in das Jahr 1093. Der größere Sas-Tempel ist Vishnu geweiht und hat auf allen Seiten offene Galerien, der kleinere Bahu-Tempel gehört Shiva. Der ursprüngliche Name lautete Sahasrabahu, „tausend Arme“.

Wann reist du am besten nach Gwalior?

Die beste Zeit ist von Oktober bis März. Die Temperaturen im Monatsverlauf (Tiefst- bis Höchstwert in Grad Celsius): Januar 3,3 bis 28,5, Februar 6 bis 32,6, März 10,9 bis 38,5, April 16,4 bis 43,2, Mai 21,6 bis 45,6, Juni 23,8 bis 45,4, Juli 24 bis 40,3, August 23,7 bis 36,7, September 21,2 bis 37,2, Oktober 14,4 bis 37,3, November 8,7 bis 34,2 und Dezember 4,7 bis 29,9.

Von April bis Juni liegen die Höchstwerte bei 43 bis 45,6 Grad. Dann steigst du die Festung nur frühmorgens hinauf, denn Sandstein und offene Höfe speichern die Hitze. Im Dezember findet das Tansen Samaroh statt, das fünftägige Musikfest. Wer es erleben will, bucht die Unterkunft früh. Weitere Hinweise zu den Reisemonaten liefert die Seite Beste Reisezeit für Indien.

Jain-Skulpturen und Gurudwara

Zwischen dem 7. und 15. Jahrhundert wurden die in den Fels gehauenen Jain-Figuren geschaffen, die alle 24 Tirthankaras darstellen. Am Urwai-Tor siehst du den ersten Tirthankara Adinath, eine stehende Statue von 17 Metern, den 22. Tirthankara Neminath als sitzende Figur von 10 Metern und Parshvanath mit der Kobrahaube, 19 Meter hoch.

Der Gurudwara Data Bandi Chhor erinnert an Guru Hargobind Sahib, den sechsten Sikh-Guru. Er wurde zusammen mit 52 Königen etwa zwei Jahre lang in der Festung festgehalten, bis der Mogul Jahangir ihn freiließ, unter der Bedingung, dass auch die anderen Könige freikamen. Der Gurudwara ist eine Pilgerstätte der Sikhs und liegt in der Nähe des Teli ka Mandir. Wer mehr zur Sikh-Tradition wissen will, findet den bekanntesten Ort auf der Seite Goldener Tempel in Amritsar.

Die Stadt außerhalb der Festung

Der Jai Vilas Palace ist heute ein Museum mit einem Durbar-Saal voller Kronleuchter. Der Moti Mahal stammt aus dem 19. Jahrhundert und hat Gärten, Brunnen, Wandbilder und Tempera-Malereien von Ragas und Raginis. Das Samadhi der Rani Lakshmi Bai zeigt eine 26 Fuß hohe Metallstatue. Der Sonnentempel (Surya Mandir) ist von Konark inspiriert, mit roten Sandstein-Außenseiten und weißen Marmorschnitzereien im Inneren. Wer Konark sehen will, findet den Original-Tempel auf der Seite Sonnentempel von Konark.

Zur Erholung bieten sich der Italienische Garten, der italienische und indische Stilelemente mischt, der Gandhi-Zoo daneben und der Tighra-Stausee mit Bootsfahrten und Vogelbeobachtung an.

Musikstadt Gwalior

Gwalior gehört zum UNESCO-Netzwerk der Creative Cities und trägt den Titel Creative City of Music. Hier wurde der Hofmusiker Tansen geboren, der am Hof Akbars diente und zu den Navaratnas, den neun Juwelen, zählte. Die Gwalior Gharana ist eine der ältesten Khayal-Schulen und wurzelt im 16. Jahrhundert. Bhaiya Ganpatrao Shinde (1852–1920) führte das solistische Harmoniumspiel in Indien ein.

Das Grab von Mohammad Ghaus, einem Dhrupad-Meister und früheren afghanischen Prinzen, ist ein Sandsteinbau mit Gitterwerk. Sein Schüler Tansen ruht in einem Marmorgrab. Beide gehörten zur Gwalior Gharana. Das Tansen Samaroh findet jedes Jahr im Dezember statt und dauert fünf Tage; der Veranstalter ist die Ustad Alauddin Khan Kala Evam Sangeet Academy gemeinsam mit dem Kulturdepartment von Madhya Pradesh. Die 99. Ausgabe stellte einen Guinness-Rekord auf, als mehr als 1.300 Tabla-Spieler am Fort gemeinsam „Vande Mataram“ spielten. Mehr zur Musik des Landes bietet die Seite Musik in Indien.

Essen, Einkauf und Ausflüge

Probiere Bedai, Gajak aus Sesam und Jaggery, Motichoor-Laddu aus Bahadura, Naariyal Paak und Bhind ke Pede. Beim Einkaufen lohnen sich Chanderi- und Maheshwari-Seide, Teppiche und Batto-Bai-Puppen; Märkte sind Maharaj Bada, Sarafa Bazaar für Schmuck und Topi Bazaar für Kunsthandwerk.

Als Ausflüge eignen sich die Bateshwar-Tempel mit rund 200 Sandsteintempeln aus dem 8. bis 10. Jahrhundert, 35 Kilometer nördlich der Stadt, das Padavali-Fort aus dem 18. Jahrhundert, das zwei steinerne Löwen bewachen, mit einem Shiva-Tempel im Inneren, und der kreisrunde Chausath-Yogini-Tempel in Mitaoli auf einem Hügel. Abends läuft in der Festung eine Licht-und-Ton-Show auf Hindi und Englisch; Zeiten und Eintrittspreise erfragst du bei Madhya Pradesh Tourism unter der Rufnummer 1800-233-7777.

Rundgang durch die Festung

Der Eingang für die meisten Besucher ist das Urwai-Tor, an dem die Jain-Skulpturen stehen. Von dort führt der Weg hinauf zu den Palästen. Die Sas-Bahu-Tempel liegen im östlichen Teil der Anlage, der Gurudwara in der Nähe des Teli ka Mandir, und zwischen dem Man-Mandir-Palast und dem Museum liegt der Chaturbhuj-Tempel an der abfallenden Straße. Plane für die Festung einen halben Tag ein, wenn du die Palastinnenräume und das Museum im Gujari Mahal sehen willst, und einen ganzen Tag, wenn du die Stadt mit Jai Vilas Palace und Moti Mahal anschließt.

Geheimtipp

Besuche die Festung früh am Tag, beginne am Urwai-Tor mit den Jain-Skulpturen, gehe zu Man Mandir und Gujari Mahal und erst danach zu Teli ka Mandir und Sas-Bahu-Tempeln. So bleibst du bei der Hitze im Schatten der Mauern und siehst die Festung in der Reihenfolge ihrer Geschichte. Die Show am Abend schließt den Tag ab.

Wie hoch sind die Mauern der Festung?

Zehn Meter. Die Festung steht auf einem freistehenden Sandsteinfelsen.

Wer baute den Man-Mandir-Palast?

Raja Man Singh Tomar. Der Palast war lange die Hauptresidenz der Tomar-Herrscher.

Wann entstanden die Sas-Bahu-Tempel?

Im 11. Jahrhundert; der Abschluss fällt in das Jahr 1093.

Wann ist die beste Reisezeit für Gwalior?

Von Oktober bis März. Im Dezember findet das Tansen Samaroh statt.

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