Keoladeo-Nationalpark Bharatpur: Vögel, Lohagarh und Deeg

Keoladeo-Nationalpark Bharatpur: Vögel, Lohagarh und Deeg

Der Keoladeo-Nationalpark bei Bharatpur in Rajasthan ist ein künstlich angelegtes Feuchtgebiet von 2.873 Hektar, das als ehemaliges Jagdrevier der Maharadschas ein bedeutendes Brut- und Nahrungsgebiet für Vögel ist. Seit 1985 ist er Welterbe. Mehr als 350 Vogelarten sind verzeichnet. Dazu kommen die Festung Lohagarh und der Palast von Deeg. Beste Zeit ist Oktober bis März.

Im Osten von Rajasthan, in der Nähe von Agra, liegt ein Gebiet, das so gar nicht zum Bild der Wüstenprovinz passt: flaches Wasser, Dämme, Baumgruppen und Schilf, in denen im Winter viele Wasservögel rasten. Der Keoladeo-Nationalpark am Rand der Stadt Bharatpur war einst das Entenjagdrevier der Fürsten und ist ein Welterbe der Natur. Er zeigt, wie ein vom Menschen gebauter Lebensraum zum Anziehungspunkt für Zugvögel aus Afghanistan, Turkmenistan, China und Sibirien werden kann.

Dieser Ratgeber erklärt Geschichte und Aufbau des Parks, den Jahreslauf des Wassers, die Vögel und anderen Tiere sowie die Frage, wie du den Park besichtigst. Dazu kommen die Festung Lohagarh und der Palast von Deeg, die Hinweise zu Essen, Festen und Reisezeit und eine Einordnung als Ausflug von Agra oder Delhi. Weitere Tierziele findest du auf der Seite Tiere in Indien.

LageBharatpur, Ostrajasthan
Fläche2.873 Hektar, entspricht rund 29 Quadratkilometern
WelterbeSeit 1985 als Naturerbe
LebensraumKünstliches Feuchtgebiet mit Dämmen, Sumpf, Grasland und Buschwald
VögelMehr als 350 Arten, rund 115 Brutvogelarten, 42 Greifvogelarten
Fortbewegung im ParkZu Fuß, mit dem Fahrrad, im Fahrradrikscha oder im Elektrowagen
ReisezeitOktober bis März
BahnhofBharatpur Junction

Was ist der Keoladeo-Nationalpark?

Der Park liegt am Stadtrand von Bharatpur im Osten Rajasthans und umfasst 2.873 Hektar. Er ist ein künstliches Feuchtgebiet in einer halbtrockenen Landschaft Nordindiens und deshalb auf Pflege und auf Wasser von außen angewiesen. Die Maharadschas legten die Dämme an, um das flache Land zu fluten, und nutzten es als Entenjagdrevier; in den 1850er-Jahren jagten hier auch die Briten. Heute ist das Gebiet nach dem Wildtierschutzgesetz von 1972 als Nationalpark die höchste Schutzstufe in Indien.

Seit 1985 steht der Park auf der Welterbeliste, und die Welterbefläche entspricht der Fläche des Ramsar-Feuchtgebiets. Der Park liegt an der zentralasiatischen Zugvogelroute und ist ein Überwinterungsgebiet für Wasservögel aus Afghanistan, Turkmenistan, China und Sibirien. Rund um das Gebiet liegen 17 Dörfer und die Industriestadt Bharatpur, eine 2,6 Meter hohe Mauer begrenzt die Fläche und hält Menschen und Vieh fern. 27 Satellitenfeuchtgebiete in der Umgebung helfen als Ausweichflächen für die Vögel.

Welche Vögel und Tiere leben im Park?

Die Vogelwelt ist der Hauptgrund für die Aufnahme ins Welterbe. Es sind weit mehr als 350 Arten verzeichnet, darunter sieben vom Aussterben bedrohte, sechs stark gefährdete und acht gefährdete Arten. Rund 115 Arten brüten im Park, 42 Greifvogelarten wurden beobachtet. Eine Reiherkolonie vereint 15 Arten. Im Winter rasten Enten, Gänse, Watvögel, Greifvögel und Fliegenschnäpper, daneben leben Buntstörche im Park. Der Sibirische Kranich, der zur Aufnahme ins Welterbe noch hier überwinterte, wurde seit 2002 nicht mehr beobachtet.

Auch Säugetiere und Reptilien lassen sich beobachten. Wildschwein, Axishirsch und Nilgau sind häufiger geworden. Fischkatze und Sumpfschildkröte sind zurückgekehrt, die als vor Ort ausgestorben galten. Weitere Arten sind Leopard, Karakal, Schweinshirsch, Rostkatze und vier Fledermausarten. Auffällig ist die Dichte des Indischen Felsenpythons, die Besucher an manchen Stellen sehen. Insgesamt leben 22 Arten in Erdbauten. Die Pflanzenwelt ist für eine halbtrockene Umgebung bemerkenswert reich.

Wie verläuft das Jahr im Park und wann lohnt der Besuch?

Der Park lebt vom Wasser. Im Monsun von Juli bis September wird er überflutet, ab Oktober sinkt der Wasserstand bis Januar, ab Februar trocknet das Land aus, und im Juni steht nur noch in einer kleinen zentralen Senke Wasser. Der Wasserhaushalt wird durch Zuflüsse von außen gesichert: Aus dem Fluss Gambhiri kommt Wasser über den Damm Ajan Bandh, dazu kommen Leitungen aus dem Chambal-Projekt (2011 fertiggestellt) und die Govardhan-Rinne (2012). Der Mindestbedarf an Zuleitung liegt bei 550 Millionen Kubikfuß im Jahr.

Die beste Reisezeit ist Oktober bis März, wenn Zugvögel anwesend sind. Die Temperaturen in Bharatpur liegen im Januar zwischen 4,3 und 26,1 Grad, im Februar zwischen 7,9 und 32,1 und im März zwischen 10,5 und 38,4 Grad. Im Mai steigt das Thermometer auf bis zu 46,7 Grad, im Dezember fällt es nachts auf 6,1 Grad. Allgemeine Hinweise zur Jahreszeit findest du auf der Seite Beste Reisezeit für Indien.

Wie besichtigst du den Park und wie kommst du hin?

Im Park sind nur Fahrradrikschas mit Fahrer, Elektrowagen und Fahrräder erlaubt, oder du gehst zu Fuß. Die Fortbewegung ohne Motor ist umweltschonend, und Führungen per Rikscha sind eine Einnahmequelle für Menschen aus den Nachbardörfern. Zum Park gehört das Salim-Ali-Informationszentrum. Ein Fernglas gehört ins Gepäck.

Der nächste Bahnhof ist Bharatpur Junction, die nächsten Flughäfen sind Jaipur (JAI) und Delhi (DEL). Nachbarziele sind Agra, Mathura, Alwar und Jaipur. Hinweise zur Anfahrt erhältst du auf der Seite Fortbewegung in Indien.

Wasser als Lebensader: Dämme, Leitungen und Gräser

Dass der Park nur mit Zufluss von außen bestehen kann, zeigten die Jahre 2006 und 2007, in denen der Monsun ausblieb und die Wasserzufuhr aus dem Ajan-Damm stockte. Danach wurden die Leitungen gebaut. Aus der Chambal-Leitung und der Govardhan-Rinne kommt zusätzliches Wasser, das den Ausfall des Damms nur teilweise ausgleicht. Bei Fehlmengen steigt der Druck auf den Lebensraum, denn der Park ist im Vergleich zur Umgebung eine grüne Insel, auf die Landwirtschaft und Haushalte ebenfalls Anspruch erheben.

Auch Pflanzen verändern den Park. Der Mesquitebusch Prosopis juliflora wurde in den 1970er-Jahren vor der Parkgründung gepflanzt und breitet sich aus; die Entfernung begann 2007 und 2008 gemeinsam mit den Dorfgemeinschaften. Das Gras Paspalum distichum bedeckte in den frühen 1990er-Jahren fast die gesamte Wasserfläche und verändert, wie Vögel das Gelände nutzen. Wasserhyazinthen und der Afrikanische Raubwels wurden mit Hilfe von Dorfkomitees zurückgedrängt. Die Mitglieder der Komitees in 16 Nachbardörfern dürfen das Holz des Mesquitebuschs als Brennholz nutzen.

Überflutetes Grasland mit Dämmen und Akazien im Keoladeo-Nationalpark

Brutkolonien, Pythons und Besucherlenkung

Die Reiherkolonie ist das Herz der Brutsaison. 2016 wurden 20.760 Vögel in der Kolonie gezählt, 2019 waren es 56.674. Der Verlust alter Bäume nahe Sapan Mori, wo eine der größten Kolonien stand, hat die Brutplätze verändert: Neuere Bäume auf kleineren Hügeln sind weniger ausgewachsen und haben kleinere Kronen. Wer die Kolonie besucht, bleibt auf den Wegen und hält Abstand, denn Störungen schaden dem Brutgeschäft.

Auch die Pythons brauchen Ruhe. Führer, die Gäste zu den Sonnenplätzen der Felsenpythons bringen, können die Tiere beim Brüten stören; für Fotografen gibt es keine festen Regeln, deshalb zählt dein eigenes Maß an Zurückhaltung. Besuche liegen am besten zwischen Oktober und März, wenn Zugvögel und Brutvögel zugleich im Park sind. Das Salim-Ali-Informationszentrum am Eingang gibt Orientierung.

Lohagarh, die Eiserne Festung

Im Zentrum von Bharatpur liegt die Festung Lohagarh, deren Name Eisenfestung bedeutet. Ein Wassergraben umgibt die Anlage; im 18. Jahrhundert eroberte Maharadscha Suraj Mal sie. Im Inneren stehen Kothi Khas, Mahal Khas, Moti Mahal und Kishori Mahal sowie die Türme Jawahar Burj und Fateh Burj. Auch der Tempel Shri Banke Bihari ist Teil der Anlage. Neben der Festung liegt der Palast von Bharatpur mit Museum, der Mogul- und Rajputen-Stil mischt. Im Saal Kamra Khas sind Fundstücke, Reliquien und Kunstwerke ausgestellt.

Bharatpur ist das Osttor Rajasthans. Die Gegend gehörte im 5. Jahrhundert v. Chr. zum Reich der Matsya, und die Überlieferung führt den Stadtnamen auf Bharat zurück, den jüngeren Bruder des Gottes Ram. Der Ganga-Tempel, an dem rund 90 Jahre gebaut wurde, birgt eine weiße Marmorfigur der Göttin Ganga und eine vier Fuß hohe Statue des Königs Bhagiratha. Maharadscha Balwant Singh finanzierte ihn Mitte des 19. Jahrhunderts, indem er reiche Einwohner bat, ein Monatsgehalt zu spenden. Der Laxman-Tempel aus rosa Stein hat kunstvoll geschnitzte Türen, Säulen und Bögen.

Wehrhafte Festung Lohagarh in Bharatpur mit Wassergraben und Torbau

Deeg: der Sommerpalast der Jat-Herrscher

Rund 40 Kilometer von Bharatpur entfernt liegt Deeg, eine Stadt mit Palästen und Gärten. Um 1730 machte Badan Singh Deeg zur Hauptstadt der Jat-Dynastie und ließ dort einen Palast bauen; sein Sohn Suraj Mal umgab die Anlage mit einer Festung. Der Palast verbindet Rajputen- und Mogulstil und folgt dem Grundriss des Char Bagh, des vierteiligen Gartens. Zwei Wasserbecken, Rup Sagar und Gopal Sagar, rahmen die Gärten. Fünf Bhawans gehören zur Anlage: Suraj, Gopal, Kishan, Nand und Keshav. Zu den Merkmalen zählen symmetrische Hallen, Arkaden, Brunnenanlagen und Kanäle.

Weitere Ziele in der Umgebung sind der Ort Kaman in der Braj-Region mit den Ruinen von Chaurasi Khamba, den 84 Säulen, und Band Baretha, ein ehemaliges Jagdgebiet der Herrscher von Bharatpur, in dem mehr als 200 Vogelarten leben, darunter die Schwarzdommel. Im März findet vor Holi das dreitägige Fest Brij Mahotsav mit dem Tanzdrama Raslila statt; mehr zu den Festen steht auf Feste in Indien.

Geheimtipp

Starte im Park früh am Morgen, wenn die Reiher aktiv sind, und nimm eine Fahrradrikscha mit einem Führer, der die Vogelstimmen kennt. Am Nachmittag besichtigst du die Festung Lohagarh und isst Pyaaz-Kachori in der Stadt.

Wie groß ist der Keoladeo-Nationalpark?

Der Park misst 2.873 Hektar, das sind rund 29 Quadratkilometer. Die Welterbefläche und das Ramsar-Gebiet haben dieselben Grenzen.

Wann ist der Keoladeo-Nationalpark Welterbe geworden?

1985. Er wurde als Naturerbe wegen seiner Vogelwelt aufgenommen.

Wann ist die beste Reisezeit für Bharatpur?

Von Oktober bis März, wenn Zugvögel im Park rasten.

Wie bewegt man sich im Park?

Zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit der Fahrradrikscha oder im Elektrowagen. Der Park ist autofrei.

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