Kochi (Cochin) an der Küste Keralas ist ein Hafen, in dem portugiesische, niederländische, britische, jüdische und chinesische Spuren nebeneinander liegen. Im Stadtteil Fort Kochi erwarten dich chinesische Fischernetze, Kolonialhäuser, Galerien und Kathakali-Aufführungen. Von hier aus starten viele Reisende in die Backwaters oder in die Teeberge von Munnar.
Kochi ist keine Stadt, die man in Eile abhakt. Der Hafen am Arabischen Meer war über Jahrhunderte ein Tor für Gewürze, und wer durch die Gassen von Fort Kochi und Mattancherry läuft, versteht, warum so viele Mächte hierher wollten. Heute ist Kochi das Wirtschaftszentrum Keralas, zugleich aber ein entspannter Auftakt für jede Südindienreise: mit gutem Essen, kurzen Wegen, Cafés in alten Lagerhäusern und einer lebendigen Kunstszene. Dieser Reiseführer zeigt dir die wichtigsten Orte, praktische Tipps zur Anreise und eine Route für zwei bis drei Tage. Den größeren Rahmen des Bundesstaats beschreibt die Seite zu Kerala.
| Lage | Südwestküste Indiens, Kerala am Arabischen Meer |
|---|---|
| Stadtteile | Fort Kochi, Mattancherry, Ernakulam |
| Höhepunkte | Chinesische Fischernetze, Paradesi-Synagoge, St. Francis Church |
| Kulturerlebnis | Kathakali und Kalaripayattu |
| Aufenthalt | 2 bis 3 Tage, danach Backwaters oder Munnar |
| Anreise | Internationaler Flughafen Cochin, Bahnhöfe in Ernakulam |
| Beste Reisezeit | November bis Februar |
Häufige Fragen auf dieser Seite
Was sind die chinesischen Fischernetze von Kochi?
Die chinesischen Fischernetze (Cheena vala) sind das Wahrzeichen von Fort Kochi. Es handelt sich um große, an Holzgerüsten hängende Hebenetze, die von mehreren Männern mit Gegengewichten und Seilen langsam ins Wasser gesenkt und wieder angehoben werden. Die Konstruktion soll über Händler aus dem Osten nach Kerala gekommen sein; wann genau, ist umstritten, und viele Berichte nennen das 14. Jahrhundert. Am Strand entlang der Promenade stehen heute einige Netze, die noch benutzt werden, ihr Fang ist allerdings bescheiden. Am schönsten sind sie bei Sonnenuntergang, wenn die Silhouetten gegen das orangefarbene Licht stehen. Du kannst direkt am Ufer frischen Fisch kaufen und in einem der kleinen Stände zubereiten lassen, wobei du den Preis vorher ausmachst. Fotografiere die Fischer mit Respekt und gib bei Bedarf ein kleines Trinkgeld, wenn sie dich beim Heben der Netze mithelfen lassen. Der Abschnitt ist vormittags ruhiger als am Abend, wenn viele Besucher kommen.
Fort Kochi: Kolonialgeschichte zu Fuß
Fort Kochi lässt sich bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Die St. Francis Church gilt als eine der ältesten europäischen Kirchen Indiens; sie wurde im frühen 16. Jahrhundert von den Portugiesen gebaut, später von Niederländern und Briten genutzt. Der Seefahrer Vasco da Gama starb 1524 in Kochi und wurde zunächst hier bestattet, seine Gebeine wurden später nach Portugal überführt. Nicht weit entfernt liegt die Santa Cruz Basilica mit bunt gestaltetem Innenraum. Rund um den Parade Ground stehen niederländische und portugiesische Villen, von denen viele zu Cafés, Galerien und kleinen Hotels umgebaut wurden. Die Mischung aus bröckelnden Fassaden und neuer Gastronomie macht den Reiz aus. Wer sich für Baustile interessiert, findet auf der Seite zur indischen Architektur einen Vergleich mit anderen Epochen. Die Kolonialzeit im Überblick liefert die Seite Geschichte Indiens.
Was gibt es in Mattancherry und Jew Town zu sehen?
Südöstlich von Fort Kochi liegt Mattancherry mit seinem Hafenviertel. Der Mattancherry-Palast, auch Dutch Palace genannt, wurde im 16. Jahrhundert von den Portugiesen für den Raja von Kochi erbaut und später von den Niederländern renoviert. Heute zeigt er ein Museum mit Wandmalereien zu Szenen aus dem Ramayana und dem Mahabharata sowie Porträts der Herrscher. Nur wenige Gehminuten entfernt beginnt Jew Town: eine Straße mit Antiquitätenläden, Gewürzhändlern und der Paradesi-Synagoge von 1568, die zu den ältesten aktiven Synagogen im Commonwealth-Raum zählt. Drinnen liegen handgemalte chinesische Bodenfliesen in Blau und Weiß, die Lampen stammen aus Belgien. Fotografieren ist im Inneren meist nicht erlaubt; zudem gelten Kleiderregeln und Besuchszeiten, die sich an den jüdischen Feiertagen ändern. Die Gewürzlager riechen nach Ingwer, Kardamom und Pfeffer. Wer etwas kauft, prüft Frische und Mengen und vergleicht Preise in mehreren Läden. Mehr zu den Aromen erfährst du bei der indischen Küche.
Wo erlebe ich Kathakali und andere Kunstformen?
Kochi eignet sich gut, um die darstellenden Künste Keralas kennenzulernen. Kathakali ist ein Tanzdrama mit aufwendigen Masken, Farben und Gesten, das Geschichten aus den Epen erzählt. Mehrere Kulturzentren in Fort Kochi bieten abends Vorführungen an, bei denen du den Schauspielern schon vor Beginn beim Schminken zusehen kannst; das dauert fast eine Stunde und ist fast so faszinierend wie die Aufführung selbst. Eine Einführung zu Gesten und Figuren wird oft vorangestellt. Daneben gibt es Vorführungen von Kalaripayattu, einer traditionellen Kampfkunst, sowie Mohiniyattam, einen weiblichen Tanzstil. Die zeitgenössische Szene zeigt sich bei der Kochi-Muziris-Biennale, einer internationalen Kunstausstellung, die seit 2012 in mehrjährigem Rhythmus stattfindet und Kunst in alten Lagerhallen von Fort Kochi und Mattancherry zeigt. Prüfe vor der Reise, ob gerade eine Ausgabe läuft, denn dann sind Hotels voller. Mehr über Kunst und Tradition liest du auf der Seite zur indischen Kunst.
Essen, Märkte und Alltag
Die Küche Keralas mischt Kokosnuss, Meeresfrüchte, Curryblätter und Gewürze. In Kochi probierst du Fischcurry mit Kokosmilch, appam (Reispfannkuchen) mit Eintopf, gedämpfte Reisküchlein puttu und frisch gebratenen Fisch vom Markt. Viele Restaurants bieten Meeresfrüchte auf Eis zur Auswahl an, die dann nach deinem Geschmack zubereitet werden; frage nach Gewicht und Preis, bevor du bestellst. Für Vegetarier gibt es einfache Kantinen mit Bananenblatt-Mahlzeiten. Abends trifft man sich auf der Promenade, in Cafés und kleinen Läden. Wer den Alltag spüren möchte, besucht den Gemüse- und Fischmarkt in Ernakulam, in dem Händler früh am Morgen frische Ware verkaufen. Tagsüber ist es heiß und feucht, trage leichte Kleidung und plane Pausen im Schatten ein.
Ernakulam, Wasser-Metro und Strände
Auf dem Festland liegt Ernakulam, das moderne Zentrum mit Einkaufszentren, Bahnhöfen und der Küstenpromenade Marine Drive. Zwischen den Stadtteilen verkehren Fähren, die zu den einfachsten und schönsten Verkehrsmitteln gehören: Eine Fahrt über die Bucht kostet wenig und dauert rund zwanzig Minuten. Neu ist die Wasser-Metro, die elektrische Boote zwischen Inseln und Festland einsetzt. Strände in der Nähe, etwa Cherai, eignen sich für einen ruhigen Nachmittag, doch achte auf Strömungen und beachte die Flaggen. Der Flughafen Cochin liegt rund 30 Kilometer nördlich der Innenstadt und ist ein wichtiger Knoten für internationale Verbindungen; Taxis und Prepaid-Fahrten bringen dich in etwa einer Stunde nach Fort Kochi.
Wie komme ich von Kochi in die Backwaters?
Die Backwaters beginnen etwa anderthalb Autostunden südlich bei Alappuzha (Alleppey), und auch Kumarakom am Vembanad-See lässt sich gut erreichen. Du kannst ein Hausboot für eine Nacht mieten, an einer Gemeinschaftstour teilnehmen oder in einem Homestay am Wasser wohnen. Kleinere Kanäle erlebst du am besten im Kanu oder mit lokalen Fährbooten. Wichtige Hinweise zu Hausbooten, Reisezeit und Ökologie stehen auf der Seite zu den Kerala Backwaters. Wer anschließend in die Berge möchte, fährt rund vier Stunden nach Munnar zu den Teeterrassen. Beide Ausflüge fügen sich in die Route Südindien und Kerala ein. Plane für Kochi selbst zwei volle Tage ein, damit du Fort Kochi, Mattancherry und eine Abendvorführung in Ruhe erlebst.
Ein Vorschlag für zwei Tage
Am ersten Tag beginnst du früh in Mattancherry mit Palast, Synagoge und Gewürzgassen, isst mittags in einer Kantine ein Gericht auf Bananenblatt und schlenderst nachmittags durch Fort Kochi mit St. Francis Church, Santa Cruz und den Galerien. Zum Sonnenuntergang gehst du zu den Fischernetzen und buchst für den Abend eine Kathakali-Vorstellung. Der zweite Tag gehört dem Wasser: Mit der Fähre nach Ernakulam, über den Markt, eine Pause am Marine Drive und am späten Nachmittag zurück oder weiter in Richtung Backwaters. So siehst du die Stadt in unterschiedlichen Stimmungen, ohne dich zu hetzen, und hast Pufferzeit für Regen oder Hitze.
Beste Reisezeit und Tipps
Die angenehmste Zeit liegt zwischen November und Februar, wenn es trocken und etwas weniger schwül ist. Von Juni bis September bringt der Monsun starke Regenfälle, die aber auch günstige Preise und grüne Landschaften bedeuten; viele nutzen diese Zeit für Ayurveda-Kuren. Im März bis Mai ist es heiß und feucht. Weitere Hinweise zu Klima und Regionen findest du bei der besten Reisezeit für Indien. Kleide dich in Kirchen und Synagogen zurückhaltend, hole in Cafés und Läden die Preise vorab ein und achte auf Wasserqualität: Trinke abgefülltes Wasser.
Besuche Jew Town und den Mattancherry-Palast gleich morgens, wenn die Reisebusse noch nicht da sind, und gehe die Strecke danach zu Fuß weiter über die Gassen hinter dem Gewürzmarkt zurück nach Fort Kochi. Dort findest du kleine Werkstätten, Bäckereien und Läden, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Ein Fahrrad mieten und abends die Küstenpromenade entlangrollen gehört ebenfalls zu den schönsten Dingen, die du in Kochi tun kannst.
Wie viele Tage brauche ich für Kochi?
Zwei bis drei Tage genügen für Fort Kochi, Mattancherry, eine Kathakali-Vorführung und einen Abend am Wasser. Wer die Biennale oder Umgebung erkunden möchte, plant mehr ein.
Ist Kochi für Alleinreisende geeignet?
Ja, die Stadt gilt als entspannt und touristisch gut erschlossen. Übliche Vorsicht bei Nacht und im Gedränge bleibt sinnvoll.
Kann ich Kochi mit der Bahn erreichen?
Ja, die Bahnhöfe in Ernakulam sind gut an Südindien angebunden. Von dort geht es mit Taxi, Fähre oder Bus nach Fort Kochi.
Lohnt sich der Besuch der Synagoge?
Ja, sie gehört zu den ältesten aktiven Synagogen im Commonwealth. Beachte Kleiderregeln und eingeschränkte Besuchszeiten, besonders an Feiertagen.
Gewürzhafen, Kolonialflair und Backwaters
Kochi vereint Geschichte, Kunst und Küche an einem Ort. Starte hier deine Reise durch Kerala.
Weiterlesen: die Kerala Backwaters, der Überblick zu Kerala und die Regenwälder der Westghats.
