Orchha in Madhya Pradesh ist eine rund 500 Jahre alte Bundela-Stadt am Fluss Betwa mit Festungspalästen, Tempeln und 14 Kenotaphen. Der Ram-Raja-Tempel ist der einzige Tempel, in dem Rama als König verehrt wird. Die Anreise läuft über Jhansi, Gwalior oder Khajuraho. Am angenehmsten ist es von November bis Februar.
Orchha liegt in der Region Bundelkhand im Bundesstaat Madhya Pradesh und ist ein Ziel für alle, die auf der Strecke zwischen Agra und Khajuraho Geschichte ohne Gedränge suchen. Der Name bedeutet „verborgenes Juwel“, und tatsächlich liegt vieles im Verborgenen: Palastinnenräume mit Wandbildern, Kenotaphe am Flussufer, ein Tempel, der einst ein Palast war. Diese Seite führt dich durch Festung, Tempel und Kenotaphe, erklärt die Legende des Ram-Raja-Tempels, nennt Praktisches zu Anreise, Essen und Klima und zeigt, wie sich Orchha mit Khajuraho und Agra verbinden lässt.
| Lage | Bundelkhand, Madhya Pradesh, am Fluss Betwa |
|---|---|
| Alter der Stadt | rund 500 Jahre |
| Gründer des Königreichs | Rudra Pratap Singh, 15. Jahrhundert |
| Festungskomplex | Raja Mahal, Jahangir Mahal, Sheesh Mahal |
| Kenotaphe | 14 Chhatris der Bundela-Herrscher am Betwa |
| Besonderheit | Ram Raja Tempel, Rama wird als König verehrt |
| Anreise | Flughäfen Gwalior und Khajuraho, Bahnhof Virangana Lakshmibai (Jhansi) |
| Beste Zeit | November bis Februar |
Häufige Fragen auf dieser Seite
Was ist Orchha und wer hat es gegründet?
Rudra Pratap Singh gründete das Königreich Orchha im 15. Jahrhundert. Später eroberte Akbar die Stadt für das Mogulreich, und Jahangir übertrug sie an Vir Singh Bundela als Zeichen seiner Treue. Unter der Herrschaft der Bundelas entwickelte sich ein eigener indo-muslimischer Baustil, der rajputische und mogulische Einflüsse mischt. Die Stadt ist rund 500 Jahre alt und liegt am Betwa; die Festung steht im Westen auf einer Insel im Fluss, eine Brücke führt zu den Tempeln im Osten, und südlich am Ufer reihen sich die Kenotaphe.
Diese Lage bestimmt deinen Rundgang. Du gehst über die Brücke zur Festung, kehrst zu den Tempeln im Zentrum zurück und folgst dem Fluss zu den Kenotaphen. Alles liegt nah beieinander, sodass sich Orchha zu Fuß und mit dem Fahrrad gut erschließen lässt.
Was gehört zur Festung von Orchha?
Der Festungskomplex besteht aus drei Palästen, die um einen Innenhof angeordnet sind: Raja Mahal, Jahangir Mahal und Sheesh Mahal. Der Raja Mahal ist der älteste, erbaut im 15. Jahrhundert von Raja Rudra Pratap. Sein Äußeres tragen Chhatris, im Inneren gibt es Wandbilder, besonders im Diwan-e-Khas und im Diwan-e-Aam; einige sind in sehr gutem Zustand.
Der Jahangir Mahal verbindet Mogul- und Bundela-Architektur. Er hat drei Stockwerke mit Balkonen, Vorbauten, Hallen und vielen Höfen, das Gitterwerk um den großen Innenhof ist sein bekanntestes Merkmal. Der Haupteingang liegt im Osten und heißt Hindola Dwar; zwei steinerne Elefanten mit Glocken an den Rüsseln bewachen ihn. Das Staatliche Archäologische Amt betreut den Palast, er ist täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet. Von den Terrassen hast du weite Ausblicke über die Stadt.
Der Sheesh Mahal, der Spiegelpalast, ist heute ein Heritage-Hotel von Madhya Pradesh Tourism mit Suiten. Abends zeigt eine Licht-und-Ton-Show im Hof der Festung die rund 500 Jahre Geschichte von Orchha, von den Jagdgründen Rudra Pratap Singhs bis zum Aufstieg des Königreichs; sie dauert eine Stunde und läuft auf Englisch und Hindi.
Was ist das Besondere am Ram-Raja-Tempel?
Im Ram Raja Tempel wird Rama als König verehrt, nicht als Gott. Er ist der einzige Tempel dieser Art in Indien. Das pfirsichfarbene Gebäude mit Kuppeln war einst der Palast der Königin Ganesh Kumari, der Frau von König Madhukar Shah, und hieß damals Rani Mahal. Die Legende erzählt, dass Königin Ganeshi Bai auf einer Pilgerreise nach Ayodhya am Flussufer Rama begegnete. Rama willigte ein, nach Orchha zu kommen, unter zwei Bedingungen: Er wollte der alleinige König sein, und seine letzte Ruhestätte war dort, wo man ihn zuerst abstellte. Er blieb im Palast der Königin, und deshalb ist er der Herrscher von Orchha.
Der Eintritt ist frei. Die Abend-Aarti ist ein Höhepunkt, und zu Ram Navami lohnt der Besuch besonders: Musiker aus den umliegenden Dörfern kommen zusammen und singen stundenlang. Für den Tempel gilt das, was überall in Indien gilt: Schuhe aus, dezente Kleidung, ruhig bleiben.
Wann reist du am besten nach Orchha?
Die Temperaturen im Monatsverlauf (Tiefst- bis Höchstwert in Grad Celsius) zeigen das Muster: Januar 3,3 bis 28,5, Februar 10,9 bis 32,6, März 16,2 bis 38,5, April 21,7 bis 43,2, Mai 27 bis 45,6, Juni 28,8 bis 45,4. Im Juli sind es 27,1 bis 40,3, im August 26,2 bis 36,7, im September 24,8 bis 37,2, im Oktober 19,3 bis 37,3, im November 13,1 bis 34,2 und im Dezember 8,5 bis 29,9.
Die mildesten Höchstwerte hast du von November bis Februar, in den kühlen Nächten des Januars brauchst du eine Jacke. Von April bis Juni steigen die Höchstwerte auf 43 bis 45,6 Grad; dann sind Rundgänge im Freien nur früh am Morgen oder spät am Abend sinnvoll. Allgemeine Hinweise zu den Reisemonaten findest du auf der Seite Beste Reisezeit für Indien.
Tempel: Chaturbhuj und Laxmi Narayan
Der Chaturbhuj-Tempel ist ein hinduistischer Schrein für Vishnu; der Name bedeutet „der mit den vier Armen“. Er wurde im 16. Jahrhundert gebaut, um ein Bildnis Ramas aufzunehmen, doch das Vorhaben blieb unvollendet. Er ist für seine Schnitzereien, sein Gitterwerk und seine majestätischen Kuppeln bekannt.
Der Laxmi-Narayan-Tempel ist Lakshmi geweiht und zeigt Kratzmalereien und gut erhaltene Wandbilder. Er wurde 1662 von Raja Bir Singh Deo erbaut. Du kannst aufs Dach steigen und von dort über die Stadt blicken. Wer Wandmalerei mag, bringt hier Zeit mit: Die Kratzmalereien und Wandbilder im Laxmi-Narayan-Tempel und die Malereien im Raja Mahal ergänzen sich, weil sie aus verschiedenen Bauten derselben Herrscherfamilie stammen. Beide Tempel liegen so nah beieinander, dass du sie in einem Zug besuchen kannst, bevor du zur Festung oder zu den Kenotaphen weitergehst.
Die Kenotaphe am Betwa und die Natur
Die 14 Chhatris der Bundela-Dynastie stehen am Kanchan Ghat am Ufer des Betwa. Jedes ehrt einen Herrscher und seine Gemahlin und zeigt rajputische Architektur mit Kuppeln und verzierten Fassaden. Der Spaziergang dorthin dauert etwa 15 Minuten. Enge Treppen führen nach oben, wo du den Fluss und die Stadt überblickst. In den Fenstern und auf den Kuppeln sitzen Geier; die Kenotaphe sind Brutplatz einer seltenen indischen Art des Langschnabelgeiers.
Jenseits des Flusses liegt das kleine Orchha-Schutzgebiet. Orchha ist außerdem ein Ort für Vogelbeobachter, mit Standvögeln und ziehenden Arten. Auf dem Betwa ist Wildwasser-Rafting möglich. Die Stadt erkundest du am besten mit dem Fahrrad, weil die Wege kurz sind; Fahrradtouren zu den Kenotaphen und durch die Gassen lassen sich vor Ort organisieren.
Essen, Einkauf und Anreise
Probiere Bundelkhandi-Küche: Poha, Jalebi und Bhutte ki Kees, den gewürzten Maisbrei, den Straßenstände und kleine Lokale servieren. Im Handwerk findest du Terrakotta, Keramik, Silberschmuck und Räucherstäbchen aus dem nahen Chanderi, dazu Teakholz-Handwerk, Messingwaren, Metallarbeiten und Gewürze.
Die nächsten Flughäfen sind Gwalior (Rajmata Vijayaraje Scindia Airport) und Khajuraho; der nächste Bahnhof ist Virangana Lakshmibai in Jhansi. Als Nachbarziele liegen unter anderem Jhansi, Gwalior, Khajuraho, Agra, Bhopal und Lucknow in Reichweite. Wie du in Indien auf der Schiene reist, erklärt die Seite Schienenverkehr.
Orchha in einer Reise durch Madhya Pradesh
Orchha passt als Zwischenstopp zwischen Agra und Khajuraho. Beide Orte sind Teil klassischer Nordindien-Routen; die Staatsseite Madhya Pradesh zeigt Tiger-Nationalparks und weitere Welterbestätten. Plane in Orchha mindestens eine Übernachtung ein: Tagsüber erschließen Fahrrad und Fußwege die Monumente, am Abend folgen die Aarti im Ram-Raja-Tempel und die Licht-und-Ton-Show, und in den frühen Morgenstunden gehören die Kenotaphe dir fast allein.
Weitere Bauten und ein Ausflug zum Pench-Nationalpark
Neben den großen Monumenten gehören der Diwan-Hardaul-Palast, der Rai-Praveen-Mahal und die Sawan-Bhado-Säulen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der Sunder Mahal, der „Palast der Liebe“, erinnert an die Liebe zwischen dem Hindu-Prinzen Dhurbhajan und seiner muslimischen Geliebten; er ist heute eine Ruine. Wer ruhig übernachten will, findet im Raj Mahal ein Luxushotel, das königlichen Stil mit modernem Komfort verbindet.
Als Ausflug aus Madhya Pradesh bietet sich der Pench-Nationalpark an. Er wurde 1975 gegründet, umfasst 257,26 Quadratkilometer und gehört zum Pench-Tigerreservat. Tiger, Leoparden, Wildhunde, Lippenbären, Gaur und verschiedene Hirscharten leben dort. Orchha selbst ist ein Kulturziel; wer Tiger sucht, plant dafür einen eigenen Abschnitt der Reise ein, zum Beispiel mit der Seite Tierwelt, Nationalparks und Safari in Indien.
Beginne mit den Kenotaphen am frühen Morgen, wenn das Licht auf dem Betwa weich ist und die Geier auf den Kuppeln sitzen. Gehe mittags zur Festung und plane den Ram-Raja-Tempel für den Abend, wenn die Aarti beginnt.
Wie alt ist Orchha?
Die Stadt ist rund 500 Jahre alt. Rudra Pratap Singh gründete das Königreich im 15. Jahrhundert.
Was ist besonders am Ram-Raja-Tempel?
Rama wird dort als König verehrt, nicht als Gott. Das Gebäude war früher der Palast der Königin Ganesh Kumari.
Wie viele Kenotaphe gibt es?
14 Chhatris der Bundela-Herrscher stehen am Kanchan Ghat am Betwa.
Wann ist die beste Reisezeit?
Von November bis Februar. Von April bis Juni steigen die Höchstwerte auf 43 bis 45,6 Grad.
Klassische Routen
Orchha lässt sich mit Khajuraho und Agra zu einer Reise durch das Herz Indiens verbinden.
Weiterlesen: Madhya Pradesh, Khajuraho und Goldenes Dreieck.
