Patan und Modhera: Rani ki Vav, Sonnentempel und Patola

Patan und Modhera: Rani ki Vav, Sonnentempel und Patola

Patan im Norden Gujarats, das alte Anhilwad Patan, birgt den Stufenbrunnen Rani ki Vav, der 1063 für Königin Udayamati entstand und seit 2014 zum Welterbe zählt. Rund 25 Kilometer entfernt steht der Sonnentempel von Modhera aus der Solanki-Zeit. Dazu kommt die Patola-Weberei mit doppeltem Ikat. Das Flugziel ist Ahmedabad, der Bahnhof Mehsana.

Der Norden Gujarats steht selten auf Reiseplänen, obwohl hier einige der feinsten Steinmetzarbeiten des Landes erhalten sind. Patan, früher Anhilwad Patan genannt, war ein Machtzentrum der Solanki-Zeit und ein Handelsplatz, dessen Reichtum Kunst, Literatur und Handwerk förderte. Aus dieser Epoche stammen der Stufenbrunnen Rani ki Vav, der in der Stadt am Fluss Saraswati liegt, und der Sonnentempel von Modhera am Fluss Pushpavati, dazu die berühmten Patola-Saris, die in Patan von Hand in doppeltem Ikat gewebt werden. Dieser Ratgeber erklärt die Geschichte der Stadt, beschreibt Rani ki Vav und den Sonnentempel im Detail, zeigt, wie Patola entsteht, führt nach Siddhpur und zu den Jain-Heiligtümern und liefert Hinweise zu Reisezeit, Essen und Anreise. Als Ausgangspunkt dient meist Ahmedabad.

LagePatan und Modhera, Nordgujarat
Gründung Patans745 durch König Vanraj Chavda, später Hauptstadt der Solanki
StufenbrunnenRani ki Vav, 1063 für Königin Udayamati erbaut, Welterbe seit 2014
SonnentempelModhera am Fluss Pushpavati, Solanki-Zeit, Maru-Gurjara-Stil
HandwerkPatola, Doppel-Ikat-Seide, über 700 Jahre in Patan
EntfernungModhera rund 25 Kilometer von Patan und rund 101 Kilometer von Ahmedabad
ReisezeitOktober bis März
Flughafen und BahnhofAhmedabad (AMD), Bahnhof Mehsana (MSH) oder Patan

Was ist Rani ki Vav?

Rani ki Vav ist ein Stufenbrunnen im mittelalterlichen Gujarat, der Wasserspeicher und Ort der Andacht zugleich war. Königin Udayamati aus der Chaulukya-Dynastie ließ ihn 1063 zum Gedenken an ihren Mann König Bhimdev I. errichten. Der Jain-Mönch Merutunga hielt fest, dass der Bau etwa zwei Jahrzehnte dauerte. Der Brunnen am Ufer des Saraswati ist als umgekehrter Tempel gestaltet: Statt in den Himmel zu ragen, führt er in die Erde, und die Besucher steigen über sieben Ebenen mit Galerien, Säulen, Wandfeldern und Nischen zum Wasser hinab. Es handelt sich um ein Beispiel des Maru-Gurjara-Stils, der für detailreiche Steinarbeit bekannt ist.

Weit über 800 Skulpturen schmücken die Anlage. Viele zeigen Vishnu in seinen Erscheinungsformen und Inkarnationen, daneben himmlische Gestalten, Ornamente und geometrische Muster. Überschwemmungen des Saraswati lagerten über die Jahrhunderte Schlamm ab, der den Brunnen allmählich begrub; im späten 19. Jahrhundert sahen die Forscher Henry Cousens und James Burgess nur einige Säulen und den Brunnenschacht. In den 1940er Jahren wurde die Anlage wiederentdeckt, in den 1980er Jahren führte der Archäologische Dienst Indiens (ASI) umfangreiche Restaurierungen durch. 2014 nahm die UNESCO Rani ki Vav in die Welterbeliste auf.

Wer Stufenbrunnen in Gujarat vergleichen möchte, besucht zusätzlich den Brunnen von Adalaj bei Ahmedabad. Beide dienten nicht nur der Wasserversorgung, sondern auch als Treffpunkt und Rastplatz.

Wie entsteht ein Patola-Sari?

Patola-Saris werden in der Technik des doppelten Ikat gewebt. Dabei werden sowohl die Kettfäden als auch die Schussfäden vor dem Weben abgebunden, gefärbt und so angeordnet, dass sich beim Weben das Muster ergibt. Die Technik verlangt höchste Genauigkeit, weil sich beide Fadensysteme am Webstuhl exakt treffen müssen. Ein einziger Sari kann mehrere Monate, manchmal Jahre dauern. Typische Motive sind Papageien, Elefanten, Blüten und tanzende Figuren.

Die Weberfamilie Salvi bewahrte die Tradition und brachte sie vor mehr als 700 Jahren nach Patan. Früher trugen Königshäuser und reiche Kaufmannsfamilien diese Saris, sie sind wertvolle Erbstücke. Im Patan Patola Heritage Museum werden der Arbeitsgang und historische Beispiele erklärt; Besucher können Handwerkern bei der Arbeit zusehen. Mehr zur Kunst des Landes steht auf der Seite Kunst in Indien. Preise für echte Patola sind hoch, beim Kauf lohnt sich ein Besuch beim Weber selbst.

Was ist der Sonnentempel von Modhera?

Der Sonnentempel von Modhera steht am Fluss Pushpavati im Distrikt Mehsana und ist dem Sonnengott Surya geweiht. Er ist ein herausragendes Beispiel für die Baukunst der Solanki, die Kunst, Literatur, Tempelbau und öffentliche Bauten förderten. Er entstand im 11. Jahrhundert; der Baubeginn wird nach 1026/27 unter Bhima I. angesetzt. Im Heiligtum wird nicht mehr gebetet. Der Archäologische Dienst Indiens (ASI) betreut ihn als geschütztes Denkmal.

Die Anlage hat drei Teile: das Schreinhaus (Gudhamandapa mit dem inneren Heiligtum), die Versammlungshalle (Sabhamandapa) und das Wasserbecken (Kund). Der nach Osten gerichtete Bau besteht aus leuchtend gelbem Sandstein. Das Becken, Surya Kund oder Ramakund genannt, ist eine große rechteckige Stufenanlage von geometrischer Genauigkeit mit 108 kleinen Schreinen für verschiedene Gottheiten, darunter Ganesha, Vishnu und Shiva als tanzender Nataraja. Die offene Versammlungshalle ruht auf Säulen mit Reliefs der zwölf Adityas, die die Aspekte der Sonne in den zwölf Monaten verkörpern. Säulen und Wände zeigen Szenen aus Mythologie, Epen, Alltag, Festen, Musik und Tanz. Das ursprüngliche Bild des Sonnengottes im Heiligtum ist nicht erhalten.

Der Tempel ist auf den Lauf der Sonne ausgerichtet. Zur Tagundnachtgleiche fielen die Sonnenstrahlen unmittelbar in das Heiligtum, was auf das astronomische Wissen der Erbauer hinweist. Gehe früh am Morgen, wenn das Licht weich auf den Reliefs liegt.

Wann reist du am besten nach Patan und Modhera und wie kommst du hin?

Die angenehmste Zeit ist von Oktober bis März. Im Januar liegen die Temperaturen im Mittel zwischen 10,7 und 32,3 °C, im Dezember zwischen 11,0 und 31,4 °C. Von April bis Juni wird es sehr heiß, im Mai steigt die Höchsttemperatur auf 42,1 °C; von Juli bis September bringt der Monsun gelegentlich Regen und frisches Grün. Allgemeine Hinweise zur Jahreszeit stehen auf der Seite Beste Reisezeit für Indien.

Der nächste Flughafen ist Ahmedabad (AMD). Von dort fahren regelmäßig Überlandbusse nach Patan und brauchen etwa dreieinhalb Stunden. Der nächste große Bahnhof ist Mehsana (MSH); Patan hat zusätzlich einen eigenen Bahnhof. Modhera liegt rund 101 Kilometer von Ahmedabad und rund 26 Kilometer von Mehsana entfernt und ist mit Privatwagen, Taxi oder Bus erreichbar. Näheres zu Verkehrsmitteln steht auf der Seite Fortbewegung in Indien.

Anhilwad Patan: Hauptstadt der Solanki

Patan liegt am Ufer des Saraswati und war im Westen Indiens eines der wichtigsten Zentren für Handel, Kultur und Gelehrsamkeit. König Vanraj Chavda gründete die Stadt im Jahr 745. Später wurde sie Sitz mehrerer Dynastien, vor allem der Solanki. Unter ihnen erlebte Gujarat einen Aufschwung in Kunst und Architektur mit Palästen, Tempeln, Stufenbrunnen und öffentlichen Bauten. Die Lage machte die Stadt zum Handelsknoten zwischen den Regionen des Subkontinents, der Reichtum finanzierte Kunst, Literatur, Religion und Handwerk.

Für Besucher ist Patan eine überschaubare Stadt. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören neben Rani ki Vav das Patola-Museum und der Panchasara-Parshwanath-Jain-Tempel, ein Heiligtum für den Tirthankara Parshwanath, bekannt für sein handwerkliches Können und die ruhige Atmosphäre. Einen Überblick über Geschichte und Dynastien bietet die Seite Mittelalter und Kolonialzeit.

Gelber Sandstein-Tempel mit Säulenhalle und Stufenbecken in Nordgujarat im Morgenlicht

Siddhpur und weitere Ziele in der Umgebung

Siddhpur liegt nur eine kurze Fahrt von Patan entfernt und ist für seine Bohra-Viertel, historische Villen und die farbigen Gassen von Bohra Vad bekannt. Der Ort ist mit dem Gelehrten Hemachandra Acharya verbunden. Pilger fahren von Siddhpur oft weiter zum Tempel von Ambaji, einem verehrten Shakti-Peetha.

Der Sonnentempel von Modhera liegt etwa 25 Kilometer von Patan entfernt und lässt sich gut mit Rani ki Vav und dem Jain-Tempel zu einem Tagesprogramm verbinden. Wer in Gujarat weiterreist, findet im Süden die Löwen des Gir-Nationalparks. Wer Tempelbaukunst vergleichen möchte, sieht sich die Seite Architektur in Indien an.

Modhera Heritage Festival und Tanz im Januar

Im Januar findet am Sonnentempel das Modhera Heritage Festival statt, eine Veranstaltung unter dem Motto „Rays of Antiquity“, die Kultur, Architektur, Geschichte und überlieferte Erzählungen Indiens feiert. Am Abend treten bekannte Künstler auf, es gibt Volks- und klassische Musik, Meister von Tabla, Flöte, Gesang, Sarangi und Dholak spielen, dazu Audio-Visual-Schauen über Baudenkmäler aus verschiedenen Regionen und Stände mit regionaler Küche. Das klassische Tanzfestival dauert drei Tage. Die genauen Termine ändern sich von Jahr zu Jahr, prüfe sie vor der Buchung.

Wenn du das Fest erleben möchtest, buche Unterkünfte in Mehsana oder Ahmedabad frühzeitig. Mehr zu Festen im Jahreslauf erfährst du auf der Seite Feste und Feiertage in Indien.

Handgewebte bunte Seidenstoffe mit feinen Mustern auf einem Webstuhl

Essen und ein Tagesplan ab Ahmedabad

Die Küche in Patan ist vegetarisch und von lokalen Zutaten und jainistischen Einflüssen geprägt. Zu den Spezialitäten zählen Patan na gota und Dhokla; zu Festen werden Süßspeisen zubereitet. Eine Beschreibung der wichtigsten Gerichte des Landes findest du auf der Seite indische Küche.

Ein Tagesplan ab Ahmedabad: Am frühen Morgen fährst du nach Modhera, um den Sonnentempel im weichen Licht zu sehen, und weiter nach Patan. Dort besuchst du Rani ki Vav, das Patola-Museum und den Jain-Tempel. Wer mehr Zeit mitbringt, übernachtet in Patan oder Mehsana und fügt Siddhpur hinzu. Eine ruhige Zwischenstation auf dem Rückweg ist der Stufenbrunnen von Adalaj. Mietwagen mit Fahrer sind für diese Strecken üblich; Hinweise gibt die Seite Verhalten und Knigge für den Besuch von Tempeln.

Geheimtipp

Fahre früh nach Modhera, damit du den Sonnentempel im weichen Licht erlebst, und besuche Rani ki Vav am späten Nachmittag, wenn das Licht schräg auf die Skulpturen im Brunnen fällt. Das Patola-Museum zeigt, wie viel Arbeit in einem einzigen Sari steckt.

Wie viel Zeit brauchst du für Patan und Modhera?

Ein langer Tag ab Ahmedabad genügt für Modhera, Rani ki Vav und das Patola-Museum. Mit Siddhpur und einer Übernachtung sind zwei Tage entspannter.

Wann wurde Rani ki Vav erbaut?

Königin Udayamati ließ den Stufenbrunnen 1063 zum Gedenken an ihren Mann Bhimdev I. errichten. Seit 2014 ist er UNESCO-Welterbe.

Was ist ein Patola-Sari?

Ein Sari aus Seide, der in doppeltem Ikat gewebt wird: Kett- und Schussfäden werden vor dem Weben abgebunden und gefärbt. Ein einziges Stück kann Monate bis Jahre dauern.

Welcher Flughafen liegt Patan am nächsten?

Der Flughafen Ahmedabad (AMD). Der nächste große Bahnhof ist Mehsana (MSH); Patan hat zudem einen eigenen Bahnhof.

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