Sanchi: Große Stupa, Torbögen und buddhistische Denkmäler

Sanchi: Große Stupa, Torbögen und buddhistische Denkmäler

Sanchi in Madhya Pradesh, rund 50 Kilometer von Bhopal, besitzt einige der ältesten erhaltenen Steinbauten Indiens. Kaiser Ashoka ließ im dritten Jahrhundert vor Christus den ersten Stupa errichten, später kamen die berühmten Torbögen mit Szenen aus dem Leben des Buddha hinzu. Die UNESCO führt die Anlage seit 1989 als Welterbe.

Auf einem Hügel über der Ebene bei Vidisha steht ein Halbkugelbau aus Stein, umgeben von einem Geländer und vier Torbögen, die von oben bis unten mit Reliefs bedeckt sind. Das ist die Große Stupa von Sanchi, das wichtigste Denkmal des Ortes. Hier liegt keine Stadt, sondern ein Heiligtum: Stupas, Klosterreste, ein Ashoka-Pfeiler, ein Gupta-Tempel und ein Museum, verteilt auf der Hügelkuppe. Wer Sanchi besucht, sieht, wie sich buddhistische Bildhauerei von der frühesten Zeit bis zum Mittelalter entwickelte. Diese Seite erklärt die Geschichte, die einzelnen Bauten und die Torbögen, nennt die Anreise und stellt die Umgebung vor, darunter die Höhlen von Udaygiri. Das Bundesland beschreibt der Überblick zu Madhya Pradesh.

Lagebei Sanchi, Madhya Pradesh, rund 10 km von Vidisha und rund 50 km von Bhopal
Anfänge3. Jahrhundert v. Chr. unter Kaiser Ashoka, Ziegelstupa
Torbögenvier Tore der Großen Stupa, 1. Jahrhundert v. Chr. unter den Andhra-Satavahanas
Weitere BautenStupa 2 und 3, Ashoka-Pfeiler, Gupta-Tempel, Klosterreste, Museum
WelterbeUNESCO seit 1989, betreut vom Archaeological Survey of India (ASI)
AnreiseFlughafen Bhopal, Bahnhof Vidisha
Beste ZeitOktober bis März

Wie alt ist Sanchi und wer hat es gegründet?

Die buddhistische Kunst und Architektur von Sanchi reicht nach dem Archaeological Survey of India von der frühen Maurya-Zeit im dritten Jahrhundert vor Christus bis ins zwölfte Jahrhundert nach Christus. Der Ort hieß in der Antike Kakanaya, Kakanava, Kakanadabota und Bota-Sriparvata. Das ICOMOS-Gutachten für die UNESCO sieht die Anfänge zur Zeit des Kaisers Ashoka, der um 250 v. Chr. zum Buddhismus konvertierte; seine Königin stammte aus dem nahen Vidisha, was erklärt, warum er Sanchi förderte. Die erste Stupa war ein Ziegelbau.

In der Sunga-Zeit wurde die Ashoka-Stupa vergrößert, mit Stein verkleidet und mit Geländer, Treppen und einer Spitzenbekrönung (Harmika) versehen. Im ersten Jahrhundert v. Chr. folgten unter den Andhra-Satavahanas, die das östliche Malwa kontrollierten, die kunstvoll geschnitzten Torbögen. Um dieselbe Zeit entstanden nach dem ASI auch die Stupas 2 und 3.

Was sind die wichtigsten Bauten?

Die Große Stupa (Stupa 1) ist ein Halbkugelbau auf quadratischem Sockel, umgeben von einem Steingeländer und vier Torbögen (Toranas). Die Anlage gilt als das Hauptdenkmal von Sanchi, und das ASI bezeichnet die Stupas 1 und 3 als vollendetste Form dieses Bautyps. Die Stupa 2 liegt am Rand des Hügels, ihr Geländer trägt Reliefs von Göttinnen. Die Stupa 3 steht nahe der Großen Stupa; ihre Reliquienkammer barg nach ICOMOS die Überreste des Buddha-Schülers Shariputra, und ihr Tor stammt aus dem ersten Jahrhundert vor Christus.

Der Ashoka-Pfeiler steht nahe dem Südtor der Großen Stupa. ICOMOS nennt ihn das älteste erhaltene Monument des Ortes; sein Kapitell zeigt Löwen, die an achämenidische Kunst erinnern. Der Löwenkapitell mit vier Löwen Rücken an Rücken ist heute im Museum des Ortes ausgestellt. Dazu kommen ein Gupta-Tempel aus dem fünften Jahrhundert, Klosterreste und eine große steinerne Schale, die aus einem einzigen Block gearbeitet wurde und zur Speisung der Mönche diente.

Was zeigen die Torbögen?

Die vier Tore der Großen Stupa sind von oben bis unten mit Reliefs überzogen. Sie zeigen Szenen aus dem Leben des Buddha und Jataka-Erzählungen, also Geschichten aus seinen früheren Leben. Der Buddha selbst erscheint dabei nicht als Figur, sondern wird durch Symbole dargestellt: Baum, Rad, Thron und Fußabdruck. Das ASI schreibt die Torbögen den Andhra-Satavahanas zu; die UNESCO datiert sie auf die zweite Hälfte des ersten Jahrhunderts vor Christus. ICOMOS nennt die Stupa 1 wegen der Proportionen und der Fülle der Skulptur an den Toren ein unvergleichliches künstlerisches Werk.

Später, im fünften Jahrhundert, fügte die Gupta-Zeit vier Schreine an den Eingängen hinzu, und sitzende Buddha-Figuren unter Baldachinen blicken seitdem auf die vier Zugänge der Großen Stupa. Das ist ein deutlicher Unterschied zur früheren Praxis: Während die Tore den Buddha nur andeuten, zeigen die Gupta-Figuren ihn in menschlicher Gestalt. Wer beides vergleicht, erkennt, wie sich die Darstellung des Buddha über die Jahrhunderte änderte.

Wie kommst du nach Sanchi und wie planst du den Besuch?

Der nächste Flughafen ist Bhopal, der nächste Bahnhof Vidisha. Sanchi liegt rund 50 Kilometer von Bhopal und rund 10 Kilometer von Vidisha entfernt und ist mit beiden Städten, mit Indore, Gwalior und anderen Orten durch Straßen verbunden. Die beste Zeit für den Besuch liegt zwischen Oktober und März. Plane für die Hügelkuppe zwei bis drei Stunden ein, und lege den Besuch des Museums an das Ende, damit du die Figuren aus dem Museum mit den Toren vergleichen kannst.

Prüfe Öffnungszeiten und aktuelle Eintrittspreise auf der Seite des ASI. Du kannst Sanchi mit Khajuraho und den Tigerparks im Bundesstaat verbinden; von Bhopal aus erreichst du den Ort auf der Straße.

Wiederentdeckung und Restaurierung

Vom vierzehnten Jahrhundert an lag Sanchi verlassen und vernachlässigt, bis General Taylor es 1818 wiederentdeckte. Die Erhaltung begann nach dem ASI in den Jahren ab 1881 unter H. H. Cole. Zwischen 1912 und 1919 legte John Marshall vom ASI die übrigen Bauten frei, sicherte sie sorgfältig und erarbeitete die Geschichte der Denkmäler. 1919 richtete er ein archäologisches Museum ein, das später in das heutige Museum am Ort überführt wurde. Die UNESCO bezeichnet die Stupas 1, 2 und 3 als Beispiele für alle Merkmale ausgereifter indischer Stupas, die im frühen zwanzigsten Jahrhundert restauriert wurden.

Sanchi und Satdhara, eine buddhistische Stätte in der Nähe, werden im Rahmen eines UNESCO-Projekts ausgegraben, konserviert und erschlossen.

Die Umgebung: Udaygiri, Satdhara und Sonari

Mehrere Orte liegen in der Nähe und eignen sich für einen zweiten Tag. Die Höhlen von Udaygiri, rund 16 Kilometer von Sanchi, stammen aus dem vierten und fünften Jahrhundert; es sind 20 Höhlen, 18 hinduistische und zwei jainistische. Satdhara, einige Kilometer entfernt, hat acht Stupas, deren größte fast so groß ist wie die Große Stupa von Sanchi. In Sonari, etwa elf Kilometer entfernt, steht die Stupa 1 als größte aus trockenem Mauerwerk, und die Stupa 2 enthält Miniatur-Reliquiare mit Brahmi-Inschriften. Die Tempel von Gyaraspur, rund 46 Kilometer von Sanchi, stammen aus dem neunten und zehnten Jahrhundert.

Im November findet in Sanchi das Chethiyagiri-Vihara-Fest statt, bei dem Reliquien der Schüler des Buddha gezeigt werden.

So liest du die Hügelkuppe

Die Anlage ist keine einheitliche Planung, sondern das Ergebnis mehrerer Jahrhunderte. Beginne bei der Großen Stupa und gehe im Uhrzeigersinn um sie herum. So siehst du die Tore nacheinander, ihre Reliefs und die Fußabdrücke, Thronsymbole und Räder, die den Buddha vertreten. Danach lohnt der Weg zum Ashoka-Pfeiler am Südtor und zur Stupa 3, die ebenfalls aus der frühen Zeit stammt. Das Museum zeigt Fundstücke und den Löwenkapitell, der als Vorbild für das Staatsemblem Indiens gilt.

Von der Maurya-Zeit bis zum Mittelalter: ein Ort wächst

Sanchi war nie ein einzelnes Bauprojekt, sondern ein Heiligtum, das über anderthalb Jahrtausende wuchs. Nach der Maurya-Zeit und den Bauten der Sunga und Satavahana standen Sanchi und das nahe Vidisha vom zweiten bis zum vierten Jahrhundert unter der Herrschaft der Kushana und der Kshatrapa, danach unter den Gupta. Aus dieser Zeit stammen einzelne Tempel, Skulpturen und die sitzenden Buddha-Figuren an der Großen Stupa. Vom siebten bis zum zwölften Jahrhundert kamen weitere Schreine und Klöster hinzu, und das ASI hält fest, dass dabei Hindu- und Buddha-Verehrung nebeneinander bestanden.

Für den Besuch bedeutet das: Du findest auf dem Hügel nicht nur Stupas. Die Klosterreste zeigen, wie Mönche lebten; zu ihnen gehört eine Anlage mit einem Bereich für gemeinsame Aktivitäten. Die Tempel und Schreine verschiedener Epochen stehen neben den Stupas und lassen sich an ihren Baustilen unterscheiden. Wer die Reihenfolge der Epochen kennt, liest die Hügelkuppe wie ein Buch, in dem jede Schicht von einer anderen Zeit erzählt. Zur Einordnung hilft auch der Überblick über die Geschichte Indiens und die Seite zu den Religionen.

Geheimtipp

Gehe die Große Stupa einmal im Uhrzeigersinn ab und schaue dabei nicht nur auf die Reliefs der Tore, sondern auch auf das Steingeländer und die Treppen, die die Sunga-Zeit hinzufügte. Am späten Nachmittag fällt das Licht flach auf die Tore und hebt die Schnitzerei hervor.

Wie alt ist die Große Stupa von Sanchi?

Ihr Ursprung liegt im dritten Jahrhundert vor Christus unter Kaiser Ashoka. Die heutige Gestalt mit Stein und Torbögen entstand in den folgenden Jahrhunderten.

Was bedeuten die Torbögen?

Sie zeigen Szenen aus dem Leben des Buddha und Jataka-Geschichten. Der Buddha wird durch Symbole wie Baum, Rad, Thron und Fußabdruck dargestellt.

Wie komme ich nach Sanchi?

Flug nach Bhopal, dann rund 50 Kilometer auf der Straße. Der nächste Bahnhof ist Vidisha, rund zehn Kilometer entfernt.

Seit wann ist Sanchi UNESCO-Welterbe?

Seit 1989. Der Ort wird vom Archaeological Survey of India betreut.

Madhya Pradesh entdecken

Verbinde Sanchi mit Khajuraho und den Tigerparks im Herzen Indiens.

Rundreisen entdecken

Weiterlesen: Madhya Pradesh, Religionen in Indien und Vorgeschichte und klassisches Zeitalter.