Sundarbans-Nationalpark: Mangrovendelta, Tiger und Bootsrouten

Sundarbans-Nationalpark: Mangrovendelta, Tiger und Bootsrouten

Der Sundarbans-Nationalpark liegt im Mündungsdelta von Ganges und Brahmaputra in Westbengalen und gehört zum Tigerreservat Sundarban, das 1973 zu den ersten neun Tigerreservaten Indiens zählte. Der Nationalpark umfasst 1.330 Quadratkilometer Mangrovenwald, ist seit 1987 Welterbe und bietet Tigern, Krokodilen und Delfinen Lebensraum. Der Park ist nur über Wasserwege erreichbar.

Wo Ganges und Brahmaputra in den Golf von Bengalen münden, zerfällt das Land in ein Labyrinth aus Inseln, Flussarmen und Prielen, die zweimal täglich von der Flut überspült werden. Dieses Delta im Süden von Westbengalen ist der größte zusammenhängende Mangrovenwald der Erde und der einzige Mangrovenlebensraum, in dem Tiger leben. Der indische Teil bildet das Tigerreservat Sundarban, dessen Kerngebiet als Nationalpark UNESCO-Welterbe ist. Straßen gibt es hier nicht, Besucher bewegen sich auf Booten durch enge Kanäle, an deren Ufern Stelzwurzeln aus dem Schlamm ragen.

Dieser Ratgeber erklärt Lage, Schutzstatus und Flächen des Reservats, beschreibt Pflanzen und Tiere, zeigt, wie die Menschen am Rand des Waldes leben, und führt durch die Besucherziele Sajnekhali, Sudhanyakhali, Dobanki und Netidhopani. Dazu kommen Hinweise zur Reisezeit und zur Anreise ab Kolkata. Ergänzend lohnt ein Blick auf die Tierwelt Indiens, die auf der Seite Tiere in Indien vorgestellt wird.

LageSüdliches Westbengalen, Distrikte Süd-24-Parganas und Nord-24-Parganas, Golf von Bengalen
SchutzstatusTigerreservat seit 1973, Nationalpark seit 1984, Welterbe seit 1987, Biosphärenreservat seit 1989
Fläche2.584,89 Quadratkilometer Tigerreservat, davon 1.330,10 Quadratkilometer Nationalpark
LandschaftMangrovenwald, Gezeitenkanäle, Schlammbänke, Inseln
LeitartenBengalischer Tiger, Leistenkrokodil, Gangesdelfin, Fischkatze
BesucherzieleSajnekhali, Sudhanyakhali, Dobanki, Netidhopani, Burirdabri
ReisezeitOktober bis März
AnreiseNur über Wasserwege; Verwaltung in Canning Town, Landeplatz Sajnekhali

Was ist der Sundarbans-Nationalpark und wo liegt er?

Das indische Sundarban ist der südlichste Teil des Deltas, das Ganges und Brahmaputra am Golf von Bengalen bilden. Es liegt überwiegend im Distrikt Süd-24-Parganas, ein kleiner Teil gehört zum Distrikt Nord-24-Parganas. Die Dampier-Hodges-Linie trennt das Delta vom übrigen Westbengalen, im Osten bilden die Flüsse Kalindi, Raimangal und Harinbhanga die Grenze zu Bangladesch. Dort setzt sich das Delta fort; beide Länder teilen sich ein Gebiet von rund 10.000 Quadratkilometern aus Land und Wasser.

Das Reservat wurde mit Wirkung vom 23. Dezember 1973 eingerichtet und gehört zu den ersten neun Tigerreservaten des Projekts Tiger. Es umfasst 2.584,89 Quadratkilometer. Ein Teil davon ist das Schutzgebiet Sajnekhali mit 362,40 Quadratkilometern (1976 ausgewiesen), der Nationalpark mit 1.330,10 Quadratkilometern (1984 ausgewiesen) und ein Reservatswald mit 892,43 Quadratkilometern. Als Tigerlebensraum von besonderer Bedeutung sind 1.699,62 Quadratkilometer festgelegt (2007), dazu kommt eine Pufferzone von 885,27 Quadratkilometern (2009). 1987 nahm die UNESCO den Nationalpark in die Welterbeliste auf, 1989 entstand das Biosphärenreservat Sundarban.

Welche Pflanzen und Tiere leben im Sundarban?

Das Delta ist als größter Mangrovenwald der Erde bekannt und der einzige Mangrovenlebensraum mit Tigern. Etwa 78 Mangrovenarten sind verzeichnet, die häufigste ist der Sundari (Heritiera fomes). Dazu kommen mehrere Arten der Gattung Avicennia (Baine), Garjan, Kankra, Keora und Khalsi sowie Dhani Ghas, ein Pioniergras der salzigen Mündungsgebiete. Im Reservat liegen mehr als 60 Prozent der indischen Mangrovenfläche und 90 Prozent der in Indien vorkommenden Mangrovenarten. Insgesamt sind mehr als 300 Pflanzenarten bekannt.

Der Bengalische Tiger (Panthera tigris tigris) ist die Leitart. Die Tiger des Deltas schwimmen gut, jagen Fische, Krabben, Wildschweine und Axishirsche und sind an das Leben zwischen den Gezeiten angepasst. Weitere Säugetiere sind die Fischkatze, der Gangesdelfin und der Irawadidelfin, Otter sowie Axishirsch und Wildschwein. Unter den Reptilien fallen das Leistenkrokodil, die Königskobra und der Bindenwaran auf; insgesamt sind 55 Reptilien- und 18 Schlangenarten verzeichnet. Die Flussschildkröte Batagur baska, die als ausgestorben galt, hat hier bedeutende Bestände. An den Stränden der Inselkette nisten Oliv-Bastardschildkröte, Grüne Meeresschildkröte und Echte Karettschildkröte. Zwei der vier Pfeilschwanzkrebs-Arten der Welt, Tachypleus gigas und Carcinoscorpius rotundicauda, kommen vor.

Die Vogelwelt ist reich: Im Schutzgebiet Sajnekhali sind mehr als 200 Arten verzeichnet, darunter Seeadler, Regenpfeifer, Kiebitze, Brachvögel, Uferläufer und viele Zugvögel. Das Delta liegt an der ostasiatisch-australischen Zugvogelroute. Zu den bedrohten Arten zählen der Große Adjutant, der Weißrückengeier und der Palla-Seeadler.

Wie leben die Menschen am Rand des Waldes?

Im indischen Teil des Deltas lebten 2011 rund 4,37 Millionen Menschen, etwa 1.000 je Quadratkilometer. Rund 300.000 Menschen sind für Holz, Fisch, Honig und andere Waldprodukte auf den Wald angewiesen. Die Dorfbewohner am Rand sammeln Brennholz, Krabben, Honig, Garnelenbrut und Fisch, was den Wald unter Druck setzt. Die Hälfte der Bevölkerung besitzt kein eigenes Land. Fischer fahren in den Prielen zum Fang aus; Krabbensammler und Honigsammler gehen in den Wald.

Wo Menschen und Raubtiere sich begegnen, entstehen Konflikte. Streunende Tiger und Krokodile gefährden die Dorfbewohner, zwischen 2000 und 2013 wurden mindestens 127 Zwischenfälle mit Krokodilen verzeichnet. Zum Schutz sind Dörfer und Wald mancherorts durch Netzzäune getrennt. Im Glauben der Region spielt die Waldgöttin Bonbibi eine zentrale Rolle, die Hindus und Muslime gleichermaßen verehren; Geschichten über den Tiger gehören zur lokalen Überlieferung. Die Mangroven schützen die Küste vor Sturmfluten und Zyklonen, die dennoch das Delta treffen: Sieben große Zyklone zogen über das Delta, zwischen 2007 und 2022, darunter Aila (2009), Bulbul (2019), Amphan (2020) und Yaas (2021).

Wann reist du am besten und wie kommst du hin?

Die beste Zeit für einen Besuch ist von Oktober bis März. Der Park liegt im Delta und ist nur über Wasserwege zugänglich. Die Verwaltung des Reservats sitzt in Canning Town, der Landeplatz für die Besucherfahrten ist Sajnekhali, und Gosaba liegt an der Bootsroute. Plane die Anreise ab Kolkata mit Wechsel aufs Boot früh am Tag ein.

Viele Besucher buchen eine Tour, die Unterkunft, Bootsfahrt und Führer verbindet. In Sajnekhali verpflichtest du einen Führer. Allgemeine Hinweise zur Jahreszeit findest du auf der Seite Beste Reisezeit für Indien, Hinweise zur Vorsorge auf Gesundheit und Impfungen.

Gezeiten, Kanäle und Schlamm: das Delta als Landschaft

Das Sundarban ist keine Landschaft mit festen Grenzen. Zweimal am Tag überflutet die Tide die gesamte Fläche, Inseln wachsen und schrumpfen, Priele verlagern sich. Brände gibt es nicht, weil das Wasser zweimal täglich alles bedeckt, und Weidevieh fehlt. Die Grenzen sind durch Wasserläufe natürlich gezogen, das Gebiet ist frei von Übergriffen. Der Boden ist weich und salzig, deshalb ragen aus dem Schlamm Atemwurzeln, die Luft aufnehmen, und Stelzwurzeln, die die Bäume im Gezeitenstrom verankern.

Diese Bauweise macht die Mangroven zu einem Küstenschutz. Sie bremsen Sturmfluten und Wellen, halten das Salzwasser vom Hinterland ab und dienen Fischen, Garnelen und Krebsen als Kinderstube. Davon lebt die Fischerei an der Ostküste Indiens. Der Wald speichert außerdem große Mengen Kohlenstoff. Der Meeresspiegel im Golf von Bengalen stieg zwischen 1983 und 2003 um 3,14 Zentimeter im Jahr, der weltweite Durchschnitt liegt bei 2,00 Zentimetern, und die mittlere Höhe des Deltas beträgt nur etwa sieben Meter. Im indischen Sundarban gingen zwischen 1969 und 2009 rund 21.025 Hektar Land verloren. Der Farakka-Staudamm leitete 1974 in der Trockenzeit bis zu 40 Prozent des Gangeswassers um, was dem Delta Süßwasser entzieht.

Freiliegende Mangrovenwurzeln und Schlamm bei Niedrigwasser an einem Kanal im Sundarban

Schutz und Überwachung im Reservat

Im Reservat arbeitet die Forstverwaltung von Westbengalen gemeinsam mit der Abteilung für Sundarban-Angelegenheiten, das seit Januar 1994 besteht. Die Rechtsgrundlage bilden das Wildtierschutzgesetz von 1972, das Forstgesetz und das Umweltschutzgesetz. Die Wächter fahren täglich mit Booten Patrouille. Zur Überwachung dienen Kamerafallen, Drohnen, GPS und die Anwendung Hejje für elektronische Patrouillen. Seit 2021 wurden mehr als 5.000 Hektar degradierter Mangrovenwald wiederhergestellt.

Zu den Herausforderungen zählen Personalmangel in der Außenarbeit, der Druck durch die Sammler am Waldrand, Wirbelstürme, der Klimawandel und der Mangel an Zusammenarbeit über die Grenze zu Bangladesch hinweg. Die Zusammenarbeit mit Bangladesch über die Grenze hinweg bleibt eine Daueraufgabe. Das indische Sundarban ist als Zone ohne Plastik ausgewiesen.

Die Besucherziele: Sajnekhali, Sudhanyakhali, Dobanki, Netidhopani

Sajnekhali ist der Ausgangspunkt der meisten Fahrten. Das Schutzgebiet umfasst 362 Quadratkilometer. Am Landeplatz liegen ein Mangroven-Informationszentrum, ein Krokodilbecken, ein Zuchtgehege für die stark bedrohte Flussschildkröte Batagur baska und ein Wachturm. Hier verpflichtest du auch einen Führer. Für den Aufenthalt am Landeplatz sind etwa eine Stunde vorgesehen. In der Nähe steht der Wachturm von Sudhanyakhali mit Blick auf ein Süßwasserbecken, an dem sich Tiere zeigen; mit Glück lässt sich ein Tiger beobachten. Dort wurde auch ein kleiner Mangrovenpark mit den wichtigsten Arten angelegt.

Dobanki liegt im Süden des Schutzgebiets, rund zwei Bootsstunden von Sajnekhali entfernt. Ein etwa 400 Meter langer Baumwipfelpfad führt hier durch den natürlichen Mangrovenwald, zusätzlich gibt es einen Wachturm. Netidhopani am südwestlichen Ende der Besucherzone hat Tempelruinen, ein Informationszentrum, einen Wachturm, eine Zuchtstation für die Flussschildkröte und einen Schrein der Bonbibi. Der Ort trägt den Namen der Wäscherin Neti, die in einer Überlieferung aus dem Epos Manasamangal die Kleider der Götter wusch. Burirdabri im äußersten Osten an der Grenze zu Bangladesch bietet seit 2003 einen Käfigpfad und einen Schlammwanderweg. An Sajnekhali, Dobanki und Netidhopani gibt es Toiletten und Sitzplätze.

Holzsteg und Beobachtungsturm auf Stelzen im Mangrovenwald des Sundarban

Eine Route für zwei Tage

Eine Fahrtroute des Reservats ist rund 60 Kilometer lang und dauert zwei Tage. Sie startet in Sajnekhali und führt über Sadakkhali, den Kanal von Sudhanyakhali, Sundarkhali und Ghazikhali. Von dort gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste führt nach Dobanki und aus dem Gebiet hinaus. Die zweite geht über Naubanki, Deulbharani und Gosaba nach Netidhopani und anschließend ebenfalls zum Ausgang. Jeder Tag beginnt früh am Morgen, die Rückkehr ist am späten Nachmittag geplant.

Unterwegs hält das Boot am schwimmenden Waldcamp Sadakkhali und am Wasserloch Choragazi, für das eine halbe Stunde reicht. In Dobanki sind eine Stunde, in Netidhopani anderthalb Stunden vorgesehen. Wer das Delta in eine Rundreise einbauen will, kombiniert es mit den Seiten zu Kolkata und zum Nashorn-Park Kaziranga im Nordosten.

Geheimtipp

Plane zwei volle Tage auf dem Wasser ein und starte früh am Morgen. Nimm Fernglas, Sonnenschutz, Mückenschutz und festes Schuhwerk mit. Tiger zeigen sich selten; mit etwas Glück gelingt eine Sichtung am Wachturm von Sudhanyakhali.

Wie groß ist der Sundarbans-Nationalpark?

Der Nationalpark umfasst 1.330,10 Quadratkilometer, das gesamte Tigerreservat 2.584,89 Quadratkilometer. Das Schutzgebiet Sajnekhali misst 362,40 Quadratkilometer.

Seit wann ist das Sundarban Welterbe?

Die UNESCO nahm den Nationalpark 1987 in die Welterbeliste auf. 1989 folgte das Biosphärenreservat, 1973 war das Gebiet bereits Tigerreservat.

Wann ist die beste Reisezeit für das Sundarban?

Von Oktober bis März.

Wie kommt man in den Sundarbans-Nationalpark?

Nur über Wasserwege. Die Verwaltung sitzt in Canning Town, der Landeplatz für Besucherfahrten ist Sajnekhali; die Bootsroute führt auch über Gosaba.

Natur und Städte verbinden

Kombiniere das Mangrovendelta mit Kolkata, Darjeeling und dem Nordosten zu einer Rundreise.

Rundreisen entdecken

Weiterlesen: Westbengalen, Kolkata und Darjeeling.