Chhattisgarh: Chitrakoot-Wasserfall, Bastar & Dhokra-Kunst

Chhattisgarh: Chitrakoot-Wasserfall, Bastar & Dhokra-Kunst

Chhattisgarh im Herzen Indiens ist ein Bundesstaat für Reisende, die abseits der Standardrouten Natur und Stammeskultur suchen. Der breite Chitrakoot-Wasserfall im Bastar-Land, die Dhokra-Metallkunst, ein Weltnaturerbe-Park mit Höhlen und Wäldern und lebendige Märkte der Adivasi machen die Region zu einem der ursprünglichsten Ziele Zentralindiens.

Chhattisgarh wurde im Jahr 2000 aus dem Osten von Madhya Pradesh herausgelöst und gehört bis heute zu den am wenigsten besuchten Bundesstaaten des Landes. Gerade das ist sein Reiz: Wer hierher kommt, fährt durch Reisfelder und Sal-Wälder, passiert Dörfer mit lehmverputzten Häusern und trifft auf Märkte, auf denen Adivasi-Familien Waldprodukte, Schmuck und Gemüse anbieten. Etwa ein Drittel der Bevölkerung gehört indigenen Gemeinschaften an, und besonders im Süden, im Bastar-Gebiet, prägen sie das Bild. Dieser Überblick zeigt dir, was sich lohnt, wie du dich sinnvoll bewegst und worauf du bei der Planung achten solltest. Wer anschließend weiter nach Norden möchte, findet im benachbarten Madhya Pradesh mit Khajuraho und den Tigerreservaten die passende Ergänzung.

LageZentralindien, östlich von Madhya Pradesh, Hochland und Waldgebiete
HauptstadtRaipur (Flughafen mit Inlandsverbindungen)
SprachenHindi und Chhattisgarhi, im Süden Halbi, Gondi und weitere Stammessprachen
WahrzeichenChitrakoot-Wasserfall am Indravati-Fluss
BesonderheitBastar-Region mit Adivasi-Kultur, Dhokra-Metallguss, Kanger-Ghati-Nationalpark
Beiname„Reisschüssel Indiens“ (wegen des ausgedehnten Reisanbaus)
Beste ReisezeitOktober bis März, Wasserfälle am eindrucksvollsten nach dem Monsun

Was macht den Chitrakoot-Wasserfall so besonders?

Der Chitrakoot-Wasserfall am Fluss Indravati wird oft als „Niagara Indiens“ bezeichnet, weil er sich in einem weiten Halbkreis von etwa 90 Metern Breite über eine Kante aus Fels in die Tiefe stürzt. Die Fallhöhe liegt bei rund 30 Metern, das ist für indische Verhältnisse nicht spektakulär, doch die schiere Breite und die Wassermenge nach der Regenzeit machen den Anblick eindrucksvoll. Bei hohem Wasserstand sprüht die Gischt weit über die Aussichtspunkte hinaus, bei Sonne bilden sich Regenbögen. Der Wasserfall liegt etwa 38 Kilometer von Jagdalpur entfernt, der größten Stadt der Bastar-Region, und lässt sich bequem in einem halben Tag besuchen. Am besten kommst du gegen Ende des Monsuns und im frühen Herbst, wenn der Fluss reichlich Wasser führt. In der Trockenzeit schrumpft der Fall zu mehreren schmaleren Strängen, bleibt aber schön und ist dann gut begehbar.

Unterhalb des Falls fahren kleine Boote nah an die Wassermassen heran, und am Ufer gibt es einfache Stände mit Tee, Maiskolben und frischem Obst. Kleine Aussichtsterrassen und ein Pfad am Rand erlauben Blicke von mehreren Seiten. Achte auf rutschige Steine und halte dich an die gesicherten Bereiche; zur Monsunzeit sind manche Zugänge gesperrt. Wer Wasserfälle liebt, kann in der Umgebung zusätzlich den Tirathgarh-Fall besuchen, der in Stufen über schwarze Felsen herabrauscht und zum Kanger-Ghati-Park gehört. Eine Übersicht über Tiere und Schutzgebiete des ganzen Landes bietet die Seite zur Tierwelt und den Nationalparks Indiens.

Wie erlebe ich die Stammeskultur von Bastar?

Die Bastar-Region im Süden ist das kulturelle Herz des Bundesstaats. Hier leben unter anderem Gond, Muria, Maria, Halba und Dhurwa, jeweils mit eigenen Sprachen, Trachten und Bräuchen. Der beste Einstieg ist ein Besuch auf einem der traditionellen Wochenmärkte (Haat), die in den Dörfern rund um Jagdalpur an festen Wochentagen stattfinden. Dort tauschen Familien Mahua-Blüten, Gewürze, Hirse, Bambuskörbe und Silberschmuck; es wird gehandelt, gelacht und nebenbei Reisbier ausgeschenkt. Fotografiere Menschen nur nach Fragen und mit Respekt, gerade Frauen und ältere Dorfbewohner möchten oft nicht abgelichtet werden.

Das größte Ereignis ist der Bastar Dussehra, der mit dem klassischen Dussehra anderswo in Indien nur den Namen teilt. Er dauert rund 75 Tage, gilt als längstes Fest dieser Art im Land und ehrt die Göttin Danteshwari, die Schutzherrin der Region. Höhepunkt sind riesige, handgezimmerte Holzwagen, die von Hunderten Dorfbewohnern durch Jagdalpur gezogen werden. Der Termin liegt im Herbst; die Hauptprozessionen fallen in die letzten Tage der Festzeit. Daneben lohnen das Anthropologische Museum in Jagdalpur mit Einblicken in Alltag und Handwerk der Adivasi sowie kleine Dörfer, in denen du Webern, Schmieden und Töpfern bei der Arbeit zusehen kannst. Die Gemeinschaften sind keine Folklore-Kulisse, sondern leben ihren Alltag weiter. Ein sensibler Umgang mit Besuchen ist entscheidend; Hinweise dazu findest du im Beitrag zu Verhalten und Knigge in Indien.

Was ist Dhokra-Kunst und wo kann ich sie kaufen?

Dhokra ist eine uralte Technik des Metallgusses im Verfahren der verlorenen Form. Zuerst formt der Handwerker die Figur aus Ton, überzieht sie mit Wachsfäden, die wie ein feines Gespinst wirken, und umhüllt das Ganze mit weiterem Ton. Beim Erhitzen schmilzt das Wachs heraus, und flüssige Bronze oder Messing füllt den Hohlraum. Nach dem Abkühlen wird die Tonform zerschlagen, und das fertige Stück ist ein Unikat. Typische Motive sind Tiere wie Elefanten und Pferde, Fruchtbarkeitsgöttinnen, Musiker und Alltagsszenen. Die Technik ist mehrere tausend Jahre alt und verwandt mit dem Verfahren, mit dem schon die berühmte tanzende Figur aus der Induskultur geschaffen wurde. Mehr über Kunsthandwerk in Indien erfährst du im Beitrag zur indischen Kunst.

In Chhattisgarh ist Dhokra vor allem rund um Kondagaon zu Hause, einem kleinen Ort nördlich von Jagdalpur. Dort kannst du Werkstätten besuchen, den Schmieden über die Schulter sehen und direkt kaufen. Auch auf Märkten in Jagdalpur und Raipur sowie in staatlichen Handwerksläden findest du Arbeiten, von Schlüsselanhängern bis zu großen Skulpturen. Frag nach dem Herstellungsverfahren und achte auf Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche; sie gelten als Zeichen echter Handarbeit. Ergänzend gibt es Holzschnitzereien, Eisenfiguren und Bambusarbeiten. Kleine Stücke lassen sich gut im Handgepäck verstauen, größere Skulpturen kannst du im Geschäft verpacken und versenden lassen.

Was bietet der Kanger-Ghati-Nationalpark?

Der Kanger-Ghati-Nationalpark liegt in den Hügeln nahe Jagdalpur und umfasst dichten Laubwald, Bäche und eine Reihe von Kalksteinhöhlen. Der Park gehört zu den attraktivsten Schutzgebieten des Bundesstaats. Rund 200 Quadratkilometer sind geschützt; die Landschaft wird vom Fluss Kanger durchzogen, der sich tief in den Fels eingegraben hat. Bekannt ist der Park vor allem für drei Dinge: die Kutumsar-Höhle, die Kailash-Höhle und den schon erwähnten Tirathgarh-Wasserfall.

Die Kutumsar-Höhle erstreckt sich über mehr als 300 Meter und führt in einen Raum voller Tropfsteine; in der Dunkelheit leben spezialisierte, blinde Fische, und die Führer zeigen dir die Formationen mit Taschenlampen. Die Höhle ist in der Regenzeit geschlossen, weil Wasser eindringt. Die Kailash-Höhle gilt als eine der ältesten des Gebiets und beeindruckt mit hohen Hallen und gewachsenem Kalk. Wer Tiere beobachten möchte, braucht Geduld: Im Wald leben Sambar-Hirsche, Axishirse, Leoparden sowie viele Vögel, darunter der Hill Myna, der in der Region eine Berühmtheit ist, weil er menschliche Sprache nachahmen kann. Plane mindestens einen halben Tag ein und buche einen lokalen Führer. Informationen zur Zeit, in der Wanderungen im Wald angenehm sind, enthält die Übersicht zur besten Reisezeit für Indien.

Sirpur, Raipur und die Kulturgeschichte Zentralindiens

Auch abseits der Wälder hat der Bundesstaat Sehenswertes. In Sirpur, etwa 80 Kilometer von Raipur entfernt, liegen Reste einer bedeutenden Stadt aus dem 5. bis 8. Jahrhundert, als hier die Somavamshi-Herrscher regierten. Der Lakshmana-Tempel aus Backstein gilt als eines der schönsten Beispiele früher Ziegelarchitektur in Indien, daneben stehen buddhistische Klosterruinen und ein Museum mit Funden. Die Anlage ist ruhig, großzügig angelegt und kaum überlaufen, am besten besuchst du sie am Vormittag, bevor die Hitze steigt. Wer sich für Architektur interessiert, kann die Eindrücke im Zusammenhang mit der Seite zur indischen Architektur vertiefen.

Raipur selbst ist eine gewachsene Handels- und Verwaltungsstadt. Sehenswert sind der Mahant-Ghasidas-Memorial-Museum mit Skulpturen und Münzen, der Stadtsee Budha Talab mit einer Statue des Philosophen Vivekananda und die lebhaften Basare. Die Stadt ist eher Basis als Ziel; die meisten Reisenden fliegen ein, besorgen einen Fahrer und brechen Richtung Süden nach Bastar auf. Die Strecke Raipur–Jagdalpur beträgt rund 300 Kilometer und dauert mit dem Auto sechs bis acht Stunden. Schöner ist es, mit einer Übernachtung in Kanker oder Kondagaon zu unterbrechen und das Dhokra-Handwerk nebenbei zu besuchen.

Küche und Mitbringsel

Die Küche von Chhattisgarh ist schlicht, aromatisch und stark vom Reis geprägt. Typische Gerichte sind Chila (dünne Pfannkuchen aus Reismehl), Fara (gedämpfte Reisteigtaschen) und Bore Baasi, ein Gericht aus fermentiertem Reis. In Bastar kommen Bambussprossen, Wildgemüse, rote Ameisenpaste (Chapda) und Mahua-Getränke dazu; wer experimentierfreudig ist, kann die Gerichte in einfachen Garküchen probieren. Achte als Reisender darauf, nur frisch Zubereitetes zu essen und Wasser aus Flaschen zu trinken. Allgemeine Tipps und regionale Besonderheiten gibt der Beitrag zur indischen Küche. Beliebte Mitbringsel sind neben Dhokra-Figuren auch Kosa-Seide aus der Gegend um Champa, handgewebte Stoffe und Bambuskörbe.

Reisezeit, Anreise und Sicherheit

Die angenehmste Zeit für eine Reise liegt zwischen Oktober und März: Die Tage sind mild bis warm, die Nächte frisch, und die Landschaft ist nach dem Monsun noch grün. Von April bis Juni steigen die Temperaturen im Landesinneren stark an und erreichen regelmäßig Werte über 40 Grad. Von Juni bis September bringt der Monsun starke Regenfälle; die Wasserfälle sind dann am mächtigsten, doch Straßen und Höhlen können unpassierbar sein. Der Flughafen Raipur ist mit Delhi, Mumbai und weiteren Großstädten verbunden, und auch Bahnverbindungen zum Knotenpunkt Raipur bestehen aus vielen Richtungen. In Bastar selbst ist ein Auto mit Fahrer die praktischste Lösung.

Zur Sicherheit: Einzelne Distrikte im Süden und im Landesinneren gelten wegen innerstaatlicher Konflikte als sensibel. Die touristisch üblichen Ziele um Jagdalpur sind regelmäßig Ziel von Reisenden, trotzdem solltest du dich vor der Reise beim Auswärtigen Amt über die aktuelle Lage informieren, keine abgelegenen Straßen nach Einbruch der Dunkelheit befahren und dich bei der Routenplanung von einem ortskundigen Fahrer oder Veranstalter beraten lassen. Allgemeine Hinweise zu Gesundheit und Vorsorge bietet die Seite zu Gesundheit und Impfungen.

Geheimtipp

Plane deinen Besuch im Bastar-Land so, dass er auf einen Wochenmarkttag fällt, und frag in deiner Unterkunft nach dem aktuellen Marktkalender der Dörfer. Besonders die Märkte in der Umgebung von Jagdalpur sind frühmorgens am lebendigsten, wenn die Händler ihre Waren ausbreiten. Nimm kleine Münzen und Scheine mit, kaufe direkt bei den Herstellern und lass dir zeigen, wie die Stücke entstehen. So bleibt das Geld dort, wo die Arbeit geleistet wird, und du kommst mit den Menschen ins Gespräch.

Wie viele Tage braucht man für Chhattisgarh?

Für Raipur, Sirpur und die Bastar-Region mit Chitrakoot, Kanger Ghati und Kondagaon solltest du fünf bis sieben Tage einplanen. Die Entfernungen sind groß, und die Straßen sind nicht überall schnell befahrbar.

Wann ist der Chitrakoot-Wasserfall am schönsten?

Am meisten Wasser führt er direkt nach dem Monsun, etwa von August bis Oktober. In der Trockenzeit ist er weniger mächtig, dafür sind die Zugänge besser begehbar und das Wetter angenehmer.

Kann ich Dhokra-Figuren ausführen?

Ja, die Stücke sind Kunsthandwerk und für den privaten Export in der Regel unproblematisch. Lass dir im Geschäft eine Rechnung geben und größere Stücke fachgerecht verpacken; Details zur Zollregelung klärst du am besten vor der Abreise.

Ist Chhattisgarh für Individualreisende geeignet?

Ja, mit Einschränkungen. Die Infrastruktur ist einfacher als in den Touristenzentren, ein Fahrer ist sinnvoll, und die Sicherheitslage im Süden solltest du vorab beim Auswärtigen Amt prüfen.

Zentralindien jenseits der Hauptrouten

Wasserfälle, Höhlen, Stammesmärkte und uralte Handwerkskunst: Chhattisgarh belohnt Reisende, die Zeit und Neugier mitbringen. Plane jetzt deine Route.

Sehenswürdigkeiten entdecken

Weiterlesen: die Tiger und Tempel von Madhya Pradesh, die Landschaften Indiens und die Feste und Feiertage des Landes.