Haryana: Kurukshetra, Pinjore-Garten, Surajkund & Gurugram

Haryana: Kurukshetra, Pinjore-Garten, Surajkund & Gurugram

Haryana rund um die Hauptstadtregion Delhi verbindet Mythos und Moderne: In Kurukshetra soll die Schlacht der Mahabharata stattgefunden haben, Pinjore bietet einen Mogulgarten am Himalaya-Fuß, Surajkund zeigt jedes Jahr Kunsthandwerk aus ganz Indien, und Gurugram ist die glänzende Büro- und Einkaufsstadt des neuen Indiens.

Haryana wird von Reisenden meist nur durchfahren: auf dem Weg von Delhi nach Chandigarh, Amritsar oder in den Himalaya. Das ist schade, denn der kleine, flache und fruchtbare Bundesstaat bewahrt Schauplätze, die für das indische Selbstverständnis eine große Rolle spielen. Er gilt als Kornkammer des Landes, brachte viele Ringer und Olympiateilnehmer hervor und besitzt zugleich eine der wohlhabendsten Wirtschaftsregionen. Weil alle Orte an gut ausgebauten Schnellstraßen liegen, eignet sich Haryana ideal für Tagesausflüge von der Hauptstadt. Wer ein paar Tage in Delhi verbringt, kann hier ohne großen Aufwand das ländliche und das moderne Indien kennenlernen.

LageNordindien, um Delhi herum, zwischen Punjab, Rajasthan und Uttar Pradesh
HauptstadtChandigarh (gemeinsam mit Punjab, als Unionsterritorium verwaltet)
Wichtige StädteGurugram, Faridabad, Ambala, Panipat, Kurukshetra
WahrzeichenBrahma Sarovar in Kurukshetra, Pinjore Gardens
BesonderheitSurajkund Mela, Sultanpur-Vogelschutzgebiet, Wirtschaftszentrum Gurugram
SprachenHindi, Haryanvi, Punjabi
Beste ReisezeitOktober bis März

Was ist in Kurukshetra zu sehen?

Kurukshetra ist nach der Überlieferung der Schauplatz der Schlacht zwischen den Pandavas und Kauravas aus dem Epos Mahabharata. Hier soll Krishna dem Krieger Arjuna die Bhagavad Gita erklärt haben, einen der wichtigsten Texte des Hinduismus. Die Stadt liegt gut 160 Kilometer nördlich von Delhi und ist ein bedeutender Pilgerort. Im Zentrum liegt der Brahma Sarovar, ein großes rechteckiges Wasserbecken, das mit Pilgern, Tempeln und kleinen Schreinen gesäumt ist. Besonders eindrucksvoll ist die abendliche Lichtzeremonie (Aarti), bei der Hunderte Öllampen auf dem Wasser schwimmen. Zur Sonnenfinsternis und zum Fest Gita Jayanti im Winter strömen Hunderttausende Menschen an den See.

Weitere Stationen sind das Jyotisar, wo ein uralter Banyan-Baum als Zeuge der Gita-Belehrung verehrt wird, das Panorama and Science Centre, das die Schlacht in Dioramen und Multimedia aufbereitet, sowie das Sheikh Chilli Tomb, ein Mogulgrab aus rotem Sandstein und Marmor. Das Kurukshetra-Museum zeigt archäologische Funde. Plane einen Tag ein und sei dir bewusst, dass du dich an einem sakralen Ort bewegst: Schuhe aus, Schultern und Knie bedecken. Der geschichtliche Hintergrund der epischen Literatur wird im Beitrag zur indischen Literatur erklärt.

Was erwartet mich in den Pinjore Gardens?

Die Pinjore Gardens, offiziell Yadavindra Gardens, liegen am Rand des Shivalik-Gebirges nahe Chandigarh. Die Anlage geht auf das 17. Jahrhundert zurück und wurde unter Moguln als terrassierter Garten angelegt, später von den Maharadschas von Patiala erweitert. Sieben Terrassen steigen stufenweise an, durch die sich ein Kanal mit Fontänen und Wasserbecken zieht. Pavillons mit Bögen, Mangobäume und gepflegte Rasenflächen schaffen eine Atmosphäre, die an persische Gartenkunst erinnert. Abends wird der Garten beleuchtet, dann zeigt er sich am romantischsten, und viele Familien aus der Umgebung kommen zum Picknick.

Zu den Besonderheiten gehören der Schisch Mahal, ein Spiegelpalast im Stil der Moguln, der Rang Mahal und ein kleiner Zoo mit Hirschen und Vögeln. In der Nähe stehen die Reste des Bhima-Devi-Tempels aus dem 10. Jahrhundert; einzelne Skulpturen sind heute im Museum von Chandigarh. Der Garten eignet sich gut für eine Pause auf der Weiterfahrt nach Himachal Pradesh, denn die Straße nach Shimla beginnt wenige Kilometer weiter. Zeit einplanen solltest du für zwei bis drei Stunden. Die Anlage zählt zu den schönsten Beispielen der Mogulgartenkunst im Nordwesten, mehr zu Bauformen steht im Beitrag zur indischen Architektur.

Was ist die Surajkund Mela?

Die Surajkund International Crafts Mela ist eines der größten Kunsthandwerksfeste Indiens. Sie findet jedes Jahr im Februar in Surajkund bei Faridabad statt, etwa eine Stunde südlich der Delhier Innenstadt. Auf dem Gelände stellen Handwerker aus allen Bundesstaaten ihre Arbeiten aus: Teppiche aus Kashmir, Holzmöbel aus Saharanpur, Terrakotta aus Bengalen, Textilien aus Gujarat und Rajasthan, Schmuck aus dem Nordosten. Dazu kommen Gastbeiträge aus anderen Ländern, Musikbühnen, Tanzvorführungen und Imbissstände, an denen du Spezialitäten aus dem ganzen Land probieren kannst. Jedes Jahr steht ein Bundesstaat im Mittelpunkt, dessen Kultur sich besonders präsentiert. Der genaue Termin und das Motto werden jedes Jahr bekanntgegeben, du solltest sie vor der Reise prüfen.

Der Namensgeber Surajkund ist ein halbkreisförmiges Wasserbecken aus dem 10. Jahrhundert, das mit der Sonnenverehrung in Verbindung gebracht wird. Das ganze Jahr über kannst du die Umgebung besuchen, Handwerker arbeiten teils auch dann in den Werkstätten. Wer Mitbringsel sucht, findet hier eine ausgezeichnete Auswahl zu fairen Preisen, da viele Produkte direkt von den Herstellern angeboten werden. Handle freundlich, aber nicht zu hart. Für den Gesamteindruck von Tradition und Handwerk eignen sich außerdem die Seiten zur indischen Kunst und zu den Festen Indiens.

Lohnt sich der Sultanpur-Nationalpark für Vogelfreunde?

Ja, wenn du Vögel magst und einen ruhigen Ausflug möchtest. Der Sultanpur-Nationalpark, benannt nach dem Ornithologen Salim Ali, liegt rund 50 Kilometer südwestlich von Delhi und ist ein Feuchtgebiet mit einem flachen See, Schilf und Akazienwald. Von November bis Februar rasten hier zahlreiche Zugvögel aus Zentralasien und Europa, darunter Flamingos, Pelikane, Störche, Kraniche und verschiedene Entenarten. Insgesamt wurden mehr als 250 Arten gezählt. Ein Rundweg von wenigen Kilometern führt an Beobachtungstürmen vorbei; zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist der Park bequem zu erkunden. Die beste Zeit ist der frühe Morgen, wenn das Licht weich ist und die Vögel aktiv sind.

Neben den Zugvögeln leben dort Nilgai-Antilopen, Blackbucks, Schakale und gelegentlich Mangusten. Fernglas und Vogelführer lohnen sich, Leihgeräte gibt es am Eingang nicht immer. Das Gebiet eignet sich auch als halbtägiger Ausflug mit Kindern. Wer weitere Schutzgebiete des Landes kennenlernen möchte, findet sie auf der Seite zur Tierwelt Indiens.

Gurugram, Panipat und die Moderne

Südwestlich von Delhi liegt Gurugram (früher Gurgaon), das in wenigen Jahrzehnten von einem Dorf zu einer Stadt aus Glas und Stahl geworden ist. Hier sitzen Niederlassungen internationaler Konzerne, es gibt riesige Einkaufszentren, Restaurants mit Küche aus aller Welt und eine ausgeprägte Café-Szene. Reisende nutzen die Stadt vor allem als Unterkunftsort in Flughafennähe oder um Besorgungen zu machen. Sehenswert sind das Kingdom of Dreams, ein Unterhaltungsareal mit Theatervorstellungen im Bollywood-Stil, und der Damdama-See in der Nähe, ein Naherholungsgebiet. Wer sich für das indische Kino interessiert, ist hier an der richtigen Stelle; mehr dazu bietet der Beitrag zu Bollywood und dem indischen Kino.

Ein ganz anderes Kapitel der Geschichte schlägt Panipat auf. Hier fanden drei entscheidende Schlachten statt, die den Gang der indischen Geschichte veränderten: 1526 begründete Babur das Mogulreich, 1556 festigte Akbar seine Herrschaft, und 1761 unterlagen die Marathen den Afghanen. Heute zeugen ein Denkmal und ein Mausoleum von diesen Ereignissen; die Stadt ist außerdem für ihre Textilproduktion berühmt. Eine kurze Einordnung bietet die Seite zur Geschichte Indiens.

Essen, Land und Menschen

Haryana ist Milch- und Weizenland, und das spürt man auf dem Teller. Typisch sind Bajra-Roti mit Ghee und Buttermilch, Kadhi aus Joghurt und Kichererbsenmehl, Sarson ka Saag mit Senfblättern sowie reichlich Lassi. An den Schnellstraßen reihen sich die berühmten Dhabas, einfache Straßenrestaurants mit Parathas, Dal und Tandoori-Gerichten, wo Fernfahrer und Familien gleichermaßen essen. Besonders bekannt ist der Murthal-Abschnitt an der Straße nach Chandigarh, wo Parathas in Dutzenden Varianten serviert werden. Die ländliche Bevölkerung ist traditionell, die Städte sind kosmopolitisch. Im Winter sorgen Frost und Nebel auf den Ebenen für Verspätungen im Verkehr, im Sommer sind Hitzewellen mit über 40 Grad üblich.

Wer Haryana mit einer Rundreise verbinden möchte, kann die Orte auf dem Weg nach Norden einbauen, zum Beispiel auf der Strecke zum Goldenen Tempel in Amritsar. Mit einem Mietwagen samt Fahrer lässt sich ein Tag gut füllen, Pinjore und Kurukshetra lassen sich jeweils auf dem Weg unterbringen. Praktische Hinweise zu Verkehrsmitteln liefert die Seite zur Fortbewegung in Indien.

Beste Reisezeit und Planung

Die beste Reisezeit ist Oktober bis März, wenn die Temperaturen angenehm sind. Im Dezember und Januar kann es morgens kühl und neblig sein, der Smog über der Ebene ist besonders im Spätherbst ein Thema. Von April bis Juni wird es extrem heiß, und der Monsun bringt von Juli bis September starke Regenfälle mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die Surajkund Mela im Februar fällt in die ideale Zeit. Von Delhi aus erreichst du fast alle Ziele per Auto in ein bis drei Stunden, Kurukshetra auch per Zug. Eine Übernachtung ist selten nötig, außer du willst in Kurukshetra die abendliche Aarti am Brahma Sarovar erleben. Zusätzliche Tipps zu Klima und Jahreszeiten gibt die Seite zur besten Reisezeit für Indien.

Geheimtipp

Kombiniere Pinjore und Kurukshetra mit einem Frühstück an einem der Dhabas an der Hauptstraße und starte schon vor sieben Uhr in Delhi, bevor sich der Verkehr verdichtet. Wer in Sultanpur im Morgengrauen eintrifft, hat den See fast für sich allein. Frag in Kurukshetra nach einem Platz am Brahma Sarovar für die Abendzeremonie, setze dich ans Ufer und beobachte, wie die Lichter auf dem Wasser treiben. Danach lohnt sich ein Abendessen in einem einfachen Restaurant der Stadt mit frischem Lassi.

Kann ich Haryana als Tagesausflug von Delhi besuchen?

Ja. Surajkund, Sultanpur und Gurugram sind in ein bis zwei Stunden zu erreichen. Für Kurukshetra und Pinjore rechnest du mit einem vollen Tag und besser einem frühen Start.

Wann findet die Surajkund Mela statt?

Traditionell im Februar, das genaue Datum wird jährlich festgelegt. Prüfe den Termin vor der Buchung, da er sich ändern kann.

Wann sind die meisten Zugvögel in Sultanpur?

Zwischen November und Februar, mit Schwerpunkt im Dezember und Januar. Früh morgens ist die Beobachtung am besten.

Brauche ich ein Permit für Haryana?

Nein, Haryana ist ohne Sondergenehmigung frei zugänglich. Beachte nur die allgemeinen Einreisebestimmungen für Indien.

Mythos, Gärten und Moderne vor den Toren Delhis

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