Odisha (Orissa): Konark, Puri & Tempelkunst

Odisha (Orissa): Konark, Puri & Tempelkunst

Odisha (früher Orissa) an der Ostküste Indiens ist ein Schatzhaus der Tempelkunst: Der Sonnentempel von Konark und die Pilgerstadt Puri mit ihrem berühmten Wagenfest gehören zu den Höhepunkten. Dazu kommen die Tempelstadt Bhubaneswar, die riesige Chilika-Lagune mit ihren Delfinen und eine lebendige Tradition aus Tanz, Handwerk und alter Geschichte.

Odisha ist einer der kulturell reichsten und zugleich am wenigsten überlaufenen Bundesstaaten Indiens. An der Küste des Golfs von Bengalen gelegen, verbindet der Staat prachtvolle Tempel aus tausend Jahren mit langen Sandstränden, einer der größten Lagunen Asiens und einer der ältesten klassischen Tanztraditionen des Landes. Wer Indiens Tempelbaukunst und lebendige Volksfrömmigkeit erleben will, ohne im Touristentrubel unterzugehen, ist hier genau richtig. Dieser Reiseführer zeigt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, das große Wagenfest von Puri und die beste Reisezeit. Weitere Ziele findest du im Überblick der Sehenswürdigkeiten Indiens.

LageOstindien, am Golf von Bengalen
HauptstadtBhubaneswar (die „Tempelstadt“)
WahrzeichenSonnentempel Konark, Jagannath-Tempel Puri
UNESCO-WelterbeSonnentempel von Konark
BesonderheitChilika-See, größte Brackwasserlagune Asiens
Großes FestRath Yatra (Wagenfest) in Puri, Juni/Juli
Beste ReisezeitOktober bis März

Was ist das Besondere am Sonnentempel von Konark?

Der Sonnentempel von Konark ist Odishas berühmtestes Bauwerk und seit 1984 UNESCO-Welterbe. Der im 13. Jahrhundert errichtete Tempel ist als kolossaler Streitwagen des Sonnengottes Surya gestaltet: Vierundzwanzig kunstvoll gemeißelte Steinräder von mehreren Metern Durchmesser tragen den Bau, den einst sieben steinerne Pferde zogen. Die Räder dienten zugleich als Sonnenuhren und lassen sich bis heute ablesen. Über und über ist der Tempel mit filigranen Reliefs bedeckt – Götter, Tänzerinnen, Musiker, Tiere und Szenen des höfischen Lebens. Wegen seiner dunklen Steinfarbe nannten Seefahrer ihn einst die „Schwarze Pagode“. Zusammen mit Bhubaneswar und Puri bildet Konark das „Goldene Dreieck“ Odishas, das sich bequem in wenigen Tagen bereisen lässt. Der Tempel gilt als Höhepunkt der ostindischen Kalinga-Baukunst und zieht Kunstliebhaber aus aller Welt an. Wie er in die große Tradition indischer Sakralbauten passt, zeigt der Beitrag zur indischen Architektur.

Was macht Puri und das Wagenfest so berühmt?

Puri am Golf von Bengalen ist eine der vier heiligsten Pilgerstädte Indiens und zählt zu den Char-Dham-Zielen. Im Mittelpunkt steht der gewaltige Jagannath-Tempel, der dem „Herrn des Universums“ – einer Form Krishnas – geweiht ist. Sein Höhepunkt ist die Rath Yatra, das große Wagenfest im Juni oder Juli: Drei riesige, kunstvoll geschmückte Holzwagen mit den Bildnissen der Gottheiten werden von Hunderttausenden Gläubigen mit dicken Seilen durch die Straßen gezogen. Aus dem englischen Wort für diese unaufhaltsamen Wagen („juggernaut“) wurde ein Begriff für alles Übermächtige. Für Besucher ist die Rath Yatra ein überwältigendes Erlebnis religiöser Hingabe, zugleich ist die Stadt dann extrem voll. Puri ist außerdem ein beliebter Badeort mit langem Sandstrand. Mehr zu den Höhepunkten des indischen Festkalenders findest du unter Feste in Indien.

Kunstvoll gemeißeltes Steinrad des Sonnentempels von Konark in Odisha
Die filigran gemeißelten Steinräder des Sonnentempels von Konark zählen zum UNESCO-Welterbe.

Warum heißt Bhubaneswar die Tempelstadt?

Die Hauptstadt Bhubaneswar trägt den Beinamen „Tempelstadt“, weil hier einst mehrere Tausend Tempel standen – Hunderte sind bis heute erhalten und machen die Stadt zu einem lebendigen Freilichtmuseum der ostindischen Sakralarchitektur. Das größte und bedeutendste Heiligtum ist der Lingaraja-Tempel aus dem 11. Jahrhundert, ein Meisterwerk des Kalinga-Baustils mit seinem hoch aufragenden, gerundeten Turm. Rund um den heiligen Bindusagar-Tank drängen sich zahllose kleinere Schreine wie der zierliche Mukteshvara-Tempel. Gleich außerhalb der Stadt liegen die Höhlen von Udayagiri und Khandagiri, in Fels gehauene Wohnstätten der Jaina-Mönche aus vorchristlicher Zeit. Und auf dem Hügel von Dhauli ließ Kaiser Ashoka nach der blutigen Schlacht von Kalinga seine berühmten Friedensedikte in den Fels meißeln – der Wendepunkt, an dem er sich dem Buddhismus zuwandte. Diese dichte Verbindung von Hinduismus, Jainismus und Buddhismus macht die Region einzigartig; mehr dazu im Überblick zu den Religionen in Indien.

Was bietet der Chilika-See?

Der Chilika-See südlich von Puri ist die größte Brackwasserlagune Asiens und ein Paradies für Naturfreunde. Auf einer Bootstour lassen sich die seltenen Irrawaddy-Delfine beobachten, die in der Lagune leben. Im Winter wird Chilika zudem zu einem der wichtigsten Rastplätze für Zugvögel des Subkontinents: Hunderttausende Wasservögel, darunter Flamingos, Enten und Kraniche aus Sibirien und Zentralasien, überwintern hier, vor allem rund um das Vogelschutzgebiet Nalabana. Fischerdörfer, kleine Tempelinseln und weite Wasserflächen prägen die Stimmung. Wer weiter ins Landesinnere fährt, erreicht den Similipal-Nationalpark, ein großes Tigerreservat und Biosphärenreservat mit Wasserfällen und dichtem Wald. Odisha beherbergt außerdem eine der größten indigenen Bevölkerungen Indiens, deren Adivasi-Gemeinschaften im Hügelland eigene Sprachen, Bräuche und Wochenmärkte pflegen.

Tanz, Handwerk und Strände

Odisha ist die Heimat des Odissi, einer der ältesten klassischen Tanzformen Indiens, die einst in den Tempeln zur Ehrung der Götter aufgeführt wurde und sich durch fließende, skulpturale Bewegungen auszeichnet. Berühmt ist auch das Kunsthandwerk: Im Dorf Pipili entstehen leuchtend bunte Applikationsarbeiten aus Stoff, andernorts feine Silberfiligrane (Tarakasi) und Palmblatt-Malereien. Entlang der Küste laden ruhige Badeorte wie Gopalpur-on-Sea und die weiten Strände bei Puri zum Verweilen ein – anders als an den bekannten Küsten Goas geht es hier deutlich entspannter zu. Nordöstlich von Bhubaneswar liegt zudem das buddhistische „Diamant-Dreieck“ aus Ratnagiri, Udayagiri und Lalitgiri, wo Ausgrabungen die Reste großer Klosteruniversitäten und feiner Steinskulpturen freigelegt haben – ein stilles, kaum besuchtes Zeugnis der buddhistischen Blütezeit Ostindiens. Diese Mischung aus großer Kunst, tiefer Religiosität und unverbrauchter Natur macht Odisha zu einem Geheimtipp für Reisende, die das ursprüngliche Ostindien kennenlernen möchten.

Geheimtipp

Bereise das „Goldene Dreieck“ aus Bhubaneswar, Konark und Puri mit einem eigenen Fahrer und plane den Sonnentempel für den frühen Morgen ein, bevor die Reisegruppen eintreffen und das Steinwerk im weichen Licht besonders schön wirkt. Fahre die Küstenstraße von Konark nach Puri, die Marine Drive, entlang und halte für eine frische Kokosnuss am Strand. Wer die Rath Yatra erleben will, bucht Unterkunft in Puri Monate im Voraus. Für den Chilika-See empfiehlt sich eine Delfin-Tour am frühen Morgen bei ruhigem Wasser.

Wie reist man durch Odisha?

Wichtigstes Eingangstor ist der Flughafen der Hauptstadt Bhubaneswar, der von Delhi, Kolkata, Mumbai und Chennai aus gut angebunden ist. Bhubaneswar ist zugleich ein bedeutender Bahnknoten an der Ostküstenstrecke: Fernzüge verbinden die Stadt bequem mit Kolkata und Chennai, und Puri ist per Zug direkt erreichbar. Innerhalb des „Goldenen Dreiecks“ aus Bhubaneswar, Konark und Puri sind die Wege kurz, sodass sich ein Auto mit Fahrer für ein bis zwei Tage anbietet – besonders für die schöne Küstenstraße zwischen Konark und Puri. Für Ausflüge zum Chilika-See, in den Similipal-Nationalpark oder in die Adivasi-Regionen des Hügellandes ist ein Fahrer nahezu unverzichtbar, da öffentliche Verbindungen dorthin dünn sind. Praktische Hinweise zu Zügen, Fahrern und Inlandsflügen gibt der Überblick zur Fortbewegung in Indien.

Wann ist die beste Reisezeit?

Die angenehmste Reisezeit für Odisha ist der trockene, milde Winter von Oktober bis März. Dann sind die Temperaturen entlang der Küste angenehm, die Zugvögel am Chilika-See zu Gast und die Tempeltouren gut zu bewältigen. Der Sommer von April bis Juni wird sehr heiß und schwül, und der Monsun von Juli bis September bringt kräftige Regenfälle; die Ostküste kann in dieser Zeit zudem von Wirbelstürmen getroffen werden. Wer das große Wagenfest in Puri erleben möchte, muss allerdings zur Rath Yatra im Juni oder Juli anreisen und mit Hitze und großem Andrang rechnen. Details zu den regionalen Klimaunterschieden liefert der Ratgeber zur besten Reisezeit für Indien.

Heißt der Bundesstaat Orissa oder Odisha?

Beides bezeichnet denselben Staat. 2011 wurde die offizielle Schreibweise von Orissa in Odisha geändert, was der einheimischen Aussprache näherkommt. Ältere Karten und Texte verwenden noch Orissa.

Kann man den Jagannath-Tempel in Puri betreten?

Der innere Tempelbereich ist ausschließlich Hindus vorbehalten. Nicht-Hindus können den Tempel jedoch von außen bewundern und das Geschehen von einer nahen Dachterrasse aus verfolgen.

Wie viele Tage sollte man für Odisha einplanen?

Für das Goldene Dreieck aus Bhubaneswar, Konark und Puri reichen drei bis vier Tage. Mit Chilika-See, Stränden und Ausflügen ins Landesinnere lohnt sich eine gute Woche.

Ist Odisha für Reisende sicher?

Odisha gilt als ruhiger und gastfreundlicher Bundesstaat. Mit dem üblichen Reiseverstand ist man hier meist unbeschwert unterwegs; in der Monsunzeit sollte man Wetterwarnungen beachten.

Ostindiens Tempelkunst entdecken

Der Sonnentempel von Konark, das Wagenfest von Puri und die Lagune von Chilika – Odisha ist Indien für Kulturliebhaber. Plane jetzt deine Reise.

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